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„Aus einer schwierigen Situation Gold zaubern“

Tageblatt-Interview mit dem Comedian Ralf Schmitz „Aus einer schwierigen Situation Gold zaubern“

Ralf Schmitz kommt mit seinem neuen Programm „Schmitzophren“ am Donnerstag, 10. Dezember, nach Göttingen in die Stadthalle. Tonie Lenz hat vorab mit dem Komiker über Rituale vor der Show, einen bösen Weihnachtsmann und grünen Tee gesprochen.

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Vielbeschäftigt: Ralf Schmitz kommt in die Stadthalle Göttingen.

Quelle: EF

Sie haben ihr aktuelles Programm „Schmitzophren“ genannt. Was bedeutet dieser Titel?
Ich habe mir den Titel ausgedacht weil ich meine, dass man verschieden Facetten im Menschen, verschiedene Persönlichkeiten, ruhig mal vorstellen kann. Natürlich durch meine Sicht, durch meine Augen geschaut, deswegen habe ich das Programm so genannt. Abgeleitet von schizophren, möchte ich auch die Persönlichkeiten einbringen, die vielleicht in den Zuschauern schlummern.

Wie ist das Programm aufgebaut?
Die eine Hälfte ist Improvisation, die andere Hälfte sind Dinge die ich mitbringe. Dass heißt, es gibt bei den Improvisationen zum Beispiel eine Szene, in der ich die Sprache wechsle. Das ist schon ganz schön schizophren, weil das auf Zuruf eines Zuschauers passiert. Er hat einen Geräuschmacher in der Hand und kann mich jederzeit unterbrechen. Ich werde von Deutsch in eine Fremdsprache wechseln, die wir gemeinsam festlegen, eine Phantasiesprache die es nicht gibt.

Können sie ein Beispiel geben?
Klar. Ein Pärchen streitet sich. Er sagt: „Hör mal, Schatz, auf der Toilette möchte ich jetzt aber mal ... MÖP ... balutschki batutschki meribitschi maruu ... MÖP ... die Toilettenbrille hochklappen. Und es gibt Zuschauer die toben sich ganz schön aus. Das macht Spaß, viel Spaß.

Und was bringen Sie den Zuschauern mit?
Zum Beispiel die Persönlichkeit eines Professors, der einen Vortrag hält. Er spricht über Menschen, die zwanghaft auf bestimmte Auslöser reagieren. Er berichtet von einem Menschen, der immer pfeifen muss, wenn er ein Wort mit dem Buchstaben ,ü’ hört. Sätze wie: Über pffüt diese Brücke pffüt müssen wir pffüt noch rüber pffüt, die können dann schon schwer fallen. Dann wird es schlimmer und schlimmer, ganz furchtbar. Aber ich will nicht zu viel verraten, um Gottes Willen.

Gibt es Techniken für gutes Improvisieren?
Nein, Techniken entwickelt man kaum. Es ist eher eine Leidenschaft, die man entwickelt. Es gibt ein oder zwei Hilfestellungen, die man beachten sollte. Nichts ablehnen, ist zum Beispiel so eine Regel, die man befolgen sollte, damit man nicht in eine Sackgasse gerät. Vielmehr gibt es schon fast nicht. Den Rest muss man eben aus dem Bauch heraus machen. Das ist auch das Schöne daran, dass man es eben nicht vorbereiten kann, dass es so passiert wie man es erlebt.

Gibt es eine Art Notfallplan für Situationen in denen sie in einer Sackgasse stecken?
Eigentlich passiert das nicht. Aber eine Hilfestellung, die man benutzt, wenn einem gerade wirklich nichts einfällt: Man tritt einfach heraus aus der Szene und macht irgendetwas ganz Verrücktes. Wenn man den Kopf wieder frei hat, fällt einem wieder eine Verbindung ein zu dem, was man gerade hergestellt hat.

Wie könnte das funktionieren? Können Sie ein Beispiel geben?
Man ist jetzt gerade im Flugzeug, und dann fällt einem nichts ein. Dann sagt man: Guck mal, ein Baum. Wo kommt der denn her? Und dann hat man einen neuen Aspekt, den man einweben kann. Meistens entstehen dadurch die komischsten Geschichten. Man kann also aus einer vermeintlich schwierigen Situation noch Gold zaubern. Das ist der schönste Moment. Der allerschönste.
Sie haben auch schon Filme gedreht. Arbeiten Sie derzeit an einem Filmprojekt?
Ja, ich hab gerade eine Kleinigkeit gedreht, einen Sketch. Dort habe ich viele kleine Schwierigkeiten, die ich bewältigen muss und die sich immer weiter steigern. Dabei zerstöre ich ein Zimmer, und es wird immer schlimmer. Das ist auch toll, weil man sich im Detail verlieren darf. Aber wenn ich ehrlich bin, schlägt mein Herz bei Live-Auftritten schon höher. Theater ist ja mein zu Hause.

Haben sie dort auch ernste Stücke gespielt?
Ja natürlich. Am Anfang habe ich einige ganz verrückte Sachen gemacht. Dadaismus, Stücke von Schwitters und von Reinhard Götz hab ich gespielt. Die kennt man oft nicht einmal. Es waren auch nicht viele Leute da, aber es hat Spaß gemacht. Das waren durchaus ernste Stücke, die Anspruch hatten, einen Kunstanspruch sozusagen. Natürlich habe ich auch das ernste Fach gespielt, damals noch.

Sie haben schon sehr viel gemacht, auf der Bühne und vor der Kamera gestanden, gesungen und geschrieben, was fehlt?
Ach du lieber Himmel. Ich möchte das machen was ich gerade mache. Ich darf Kinofilme drehen, ich darf synchronisieren, ich darf auf der Bühne stehen. Ich liebe das was ich tue. Mein Gott, dann bin ich doch der glücklichste Mensch der Welt. Da muss ich nichts anderes suchen. Es wird sich genug ergeben.

Haben Sie denn in diesen Bereichen neue Projekte geplant?
Dann gibt es natürlich noch …man darf ja nicht drüber sprechen, das ist ja ganz furchtbar. Und dann bin ich auch noch abergläubisch. Aber natürlich, keine Sorge, ich werde noch ein zwei Sachen machen. Ganz aktuell dreh ich für den RTL-Weihnachtskalender. Das kommt, glaub ich, am 23. Dezember.

Sie sind abergläubisch? Haben Sie denn Rituale, die Sie vor jeder Show einhalten?
Absolut. Es ist nicht wirklich ein Ritual, aber ich trinke immer grünen Tee. Ein richtiges Ritual gibt es auch. Ich muss immer allen Menschen, die mit mir arbeiten, über die linke Schulter spucken, dreimal. Also man spuckt nicht wirklich, um Gottes willen, das wär ja furchtbar, aber man deutet das eben an. Es ist schon vorgekommen, dass ich das vergessen habe – mit meinem Techniker zum Beispiel. Der sitzt während der Vorstellung am anderen Ende des Saales. Und er muss dann nochmal kommen, auch wenn es eigentlich schon losgeht. Und dann müssen wir spucken, sonst fangen wir nicht an. Man ist eben abergläubisch beim Theater.

Eintrittskarten für die Show „Schmitzophren“ von Ralf Schmitz, die um 20 Uhr in der Göttinger Stadthalle beginnt, gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen des Göttinger Tageblattes, Jüdenstraße 13c, und des Eichsfelder Tageblattes, Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

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