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Ausblicke in Gefilde der Seligen

Amaryllis-Quartett Ausblicke in Gefilde der Seligen

Am Anfang von Musikerkarrieren stehen häufig Blüten­träume, die nicht immer in Erfüllung gehen. Doch für jene Musiker, die in die „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ gelangt sind, stehen die Chancen gut, dass ihre Träume Wirklichkeit werden. Dazu gehört das Amaryllis-Quartett aus Köln.

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Hochkonzentrierte Musiker: das Amaryllis-Ensemble.

Quelle: Wirth

Mehrfach wurden die vier Musiker – die Violinisten Gustav Frielinghaus und Lena Wirth, die Bratscherin Lena Eckels und der Cellist Yves Sandoz – ausgezeichnet, zuletzt 2010 mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Am Sonntag, 6. März, gastierten sie in einem Sonderkonzert der Kammermusik-Gesellschaft in der gut besuchten Aula der Universität.

Mit Schuberts Quartettsatz c-Moll zeigten sie, welch hohen Qualitätsstandard sie bereits erreicht haben. Sie gehen den kompositorischen Details bis auf den Grund, balancieren ihr Spiel wunderbar aus, lassen die Kantilenen blühen und sind hochkonzentriert bei der Sache. Das gilt nicht minder für die Alban Bergs Lyrische Suite, eines der technisch wie musikalisch schwierigsten Streichquartett-Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier ist es vor allem die nirgends nachlassende höchste Ausdrucksintensität, die den Spielern Kondition sowohl im technischen als auch im geistigen Bereich abverlangt.

Die Bandbreite der Ausdrucksqualitäten reichen von den fahl dahinhuschenden Klangfarben des Allegro misterioso über die beklemmende Süße des Adagio appassionato bis zur abgrundtiefen Trauer im finalen Largo desolato mit seinen ins Nichts verklingenden Bratschentönen. All das war beim Amaryllis-Quartett bis in feinste Nuancen ausgearbeitet. Einfach atemberaubend.

Wer meinte, eine Steigerung sei nun nicht möglich, wurde eines Besseren belehrt. Zusammen mit Alexandra Hengstebeck (Kontrabass), Christoph Eß (Horn), Markus Krusche (Klarinette) und Daniel Mohrmann (Fagott) – alle in der Bundesauswahl Konzerte junger Künstler – spielten sie als Schlussstück Schuberts Oktett F-Dur. Diese Musik ist überreich an musikalischen Schönheiten. Hier zeigt sie mitreißende musikantische Spielfreude, dort abgeklärte Heiterkeit, bisweilen bietet sie gar Ausblicke in Gefilde der Seligen. Daran teilzuhaben gehört zu den schönsten Augenblicken, die Konzertbesucher erleben können. Dementsprechend hoch schlugen die Wogen der Begeisterung.

Von Michael Schäfer

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