Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Ausstellung widmet sich hessischem Landgrafen Carl
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung widmet sich hessischem Landgrafen Carl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:53 19.03.2018
Ausstellung im Friedericianum in Kassel: "Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa" ist noch bis 1. Juli zu sehen. Quelle: dpa
Kassel

Das Weltkulturerbe des Bergparks Wilhelmshöhe mit seinen Wasserspielen geht wesentlich auf Carls Initiative zurück, der mit diesem Projekt Versailles übertrumpfen wollte. Eine Ausstellung im Kasseler Fridericianum, die drei Jahre an Vorbereitung verschlang, widmet sich dieser bemerkenswerten Persönlichkeit.

Die Ausstellung mit dem treffenden Titel „Groß gedacht! Groß gemacht?“ zeigt in wunderbar bunt aufgepeppten Räumen zahlreiche große und kleine Exponate, die die Zeit von Carl lebendig werden lassen. Uhren, Fernrohre, Porzellan, Gewehre, Gemälde, wissenschaftliche Versuchsanordnungen - die vielseitigen Interessen Carls, von Politik über Wirtschaftsförderung bis hin zu Naturwissenschaft und Kunst, spiegeln sich in den rund 720 Exponaten wider. Darunter auch viele bisher kaum zu sehende Dinge wie etwa Pläne zur Ansiedlung der hugenottischen Flüchtlinge, von denen 3800 ab 1685 in drei Wellen nach Hessen einwanderten.

Rund 720 Exponate umfasst die Ausstellung „Gross gedacht! Gross gemacht?“ über Leben und Wirken des Landgrafen Carl (1654 bis 1730) im Kasseler Fridericianum.

„Das war keineswegs reine Barmherzigkeit, da steckten vielmehr wirtschaftliche Interessen Carls dahinter“, erklärt Sebastian Dohe, Projektmanager der Ausstellung, die Aufnahme der Hugenotten. Allerdings habe Carl seine „Freiheitskonzession“, deren Original sich ebenfalls in der Ausstellung findet, gut als Barmherzigkeit verkaufen und so sich selbst vorteilhaft inszenieren können. Die Aufnahme der Flüchtlinge, von denen er sich einen wirtschaftlichen Aufschwung erhoffte, sei ihm umso leichter gefallen, da diese ebenso wie er selbst dem reformierten Glaubensbekenntnis anhingen.

Was für ein Mensch Carl selbst gewesen ist, sei schwer zu ermitteln, sagt Dohe. „Es gab damals keine Trennung von Person und Amt, von privat und öffentlich“, erklärt er. Auch Tagebücher zeigten wenig vom „Innenleben“ Carls. Er begeisterte sich jedenfalls sehr für Kunst und Wissenschaft. Auch liebte er offenbar seine Frau und war sehr am Ergehen seiner insgesamt 17 Kinder, von denen allerdings nur zehn das Erwachsenenalter erreichten, interessiert. „So etwas war damals nicht immer selbstverständlich“, sagt Dohe.

Förderung von Kunst, Kultur und Bildung

Besonders großen Raum in der Ausstellung nimmt das Thema Architektur ein, da Carl hier ein bleibendes Erbe hinterlassen hat. Der Bergpark Wilhelmshöhe, der Herkules, die nach ihm benannte Karlsaue mit Orangerie und Marmorbad und nicht zuletzt die für die hugenottischen Flüchtlinge errichtete Stadt Bad Karlshafen zeugen vom Tatendrang des Fürsten. Auch mit der Einführung einer Schulpflicht versuchte sich der Fürst. Seine Förderung von Kunst, Kultur und Bildung sei vorbildlich, würdigt auch der hessische Kunstminister Boris Rhein (CDU) das Wirken Carls.

Dass viele der Wohltaten Carls durch seine Militärpolitik finanziert wurden, verschweigt die Ausstellung ebenfalls nicht. Carl habe ein stehendes Heer unterhalten, was damals eher eine Ausnahme als die Regel gewesen sei. Bei vielen kriegerischen Auseinandersetzungen habe er ausgeholfen und Soldaten auch verliehen, weiß Dohe. „Das Militär war ein Antriebsmittel für seine Wirtschaftspolitik“, sagt der Projektmanager. Doch musste Carl auch einen schmerzlichen Preis für seine Militärpolitik zahlen: drei seiner Soldatensöhne kamen im Einsatz ums Leben.

Die Ausstellung „Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“ ist noch bis zum 1. Juli im Fridericianum Kassel, Friedrichsplatz 18, zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Donnerstags sogar bis 20 Uhr. Weitere Infos gibt es im Internet, telefonisch unter 0561 / 316 800 oder per E-Mail an besucherdienst@museum-kassel.de.

Von Christian Prüfer (epd)