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Ausstellung mit Filz-Kunst in der Historischen Spinnerei im Gartetal

Mollig Wolliges Ausstellung mit Filz-Kunst in der Historischen Spinnerei im Gartetal

Wolle ist der Grundstoff der handgefilzten Objekte von 54 Künstlerinnen aus 14 Ländern, die unter dem Titel „In Bewegung“ im Maschinensaal, dem Schafstall und dem Wohnhaus der Historischen Spinnerei Gartetal derzeit zu sehen sind. Veranstaltet wird die Ausstellung in Klein Lengden vom Filz-Netzwerk.

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Gruppenarbeit: Kerstin Scherr, Gerti Becker, Conny Kaspar, Waltraud Schillinger und Mirjam Beck übertragen Fotos und Text auf Filz.

Quelle: Heller

Klein Lengden. Der Ort passt zur Ausstelung: Zwischen Vorgarnkrempel und dem Zahnradgetriebe des Selfaktors, einer automatischen Spinnmaschine, im düsteren Maschinensaal der Historischen Spinnerei im Gartetal ist von 1847 an Streichgarn hergestellt worden. Aus ungekämmter Wolle und Wollmischungen wurde es für die Herstellung von Flanellstoffen verwendet – und diese wurden noch ein wenig gewalkt, bevor sie die leichte, aber doch typisch mollige Qualität bekamen.

Britische Wandteppich

In den älteren, aber frühindustriell genutzten Räumen hängen große türkisfarbene gefilzte Blätter wie löchrige Eisschollen von den Wänden, fließt rotes Blut durch einen hellwollenen Arterienbogen, hängen die Kinderkleider einer Anziehpuppe an der Wand. Feine flügelartige Stoffe erinnern an Schneeengel, bunte Platten mit Punktemustern zitieren die Dot-Paintings der Aborigines. Die ankommende Flut spiegelt sich in einem britischen Wandteppich mit wechselnder Struktur. Die meisten Arbeiten spielen mit organischen Formen oder geben sich ganz dem prozessorientierten Filzen hin, über allem schwebt ein eindringlich eingefilzter naturmythologischer Diskurs, was entsteht, sind Blüten-, Erd, Pflanzen- und Körperförmiges. Korallen schimmern ebenso auf wie Waben, Schichten, Wellen, Pilze, Bakterien, Schnee, Schnüre oder Schollen.

Es überwiegen deutsche und niederländische Arbeiten, aber auch aus den USA, Australien, Norwegen, Schweden und Finnland kommen die Exponate. Ein isländisches Werk ist allein in einem Schafgatter aufgehängt: Eine große, von innen warm beleuchtete hellwollene, quallenartige Blase mit zarten Zeichen und einem darunterliegenden Sandkreis samt Blüten neben dem Stroh verweist auf Erde und  Wachstum.

Weitgereiste Ausstellung

Kunst und Kunsthandwerk liegen allzu nahe beieinander in dieser weitgereisten Ausstellung. Selbst wenn der Großteil der gezeigten Objekte weitgehend zweckfrei daherkommt, weist die Form in ihrer Eigenständigkeit nur selten über das Material hinaus, das das Zentrum, das verbindende Element dieses Projektes ist. Auch der Kontrast zur Maschinenhalle und zur längst entgegengesetzt entwickelten Textilindustrie bürgt nicht für die Reibung zur Auseinandersetzung, vielleicht für einen molligen Schein im Einklang mit Wolle und Natur.

Die Ausstellung ist in der Historischen Spinnerei im Gartetal, Steinsmühle 8 bei Klein Lengden, bis zum 1. April donnerstags und freitags von 16 bis 19.30 Uhr und an den Wochenenden von 13 bis 19.30 Uhr zu sehen.

Von der Kanadierin Marjolein Dallinga hergestellt: „Trinität“.

Von Tina Lüers

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