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Regional Ausstellung und Tonbildschau von Harald Kijewski
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung und Tonbildschau von Harald Kijewski
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00:19 13.03.2018
Harald Kijewski spricht während der Ausstellungseröffnung „Florentinische Nächte - Paganini aus der Sicht Heinrich Heines“ in der Galerie Alte Feuerwache. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Niccolò Paganini, Geigenvirtuose und Popstar seiner Zeit, inspirierte mit seinen Hamburger Konzerten im Jahr 1830 den Literaten Heinrich Heine – und beide wiederum heutzutage Harald Kijewski. Letzterer hat nicht nur in seiner Funktion als Gerichtsmediziner die Todesursachen der beiden Erstgenannten zu ergründen versucht (eine Quecksilber- und eine Bleivergiftung sind wahrscheinlich), der Künstler Kijewski hat sich auch vom rauschhaften Schaffen und Erleben der beiden Altvorderen mitreißen und inspirieren lassen.

Abstrakte und kraftvoll-bunte Bilder

Kijewskis Mittel sind modern und technisch: Das Lichtmikroskop hat unter Regie des Künstlers samt Effekten wie der Farbverschiebung abstrakte, kraftvoll-bunte Bilder aus dem Mikrokosmos entstehen lassen. Zu Kijewskis „Präparaten“ zählten dabei auch Zeichnungen des Göttingers Lothar Kohn, die Paganinis idealisierte Gesichtszüge und die seiner ermordeten Geliebten zwischen jugendlicher Schönheit und dämonischem Wahn anklingen lassen.

Dass ein Blick auf nur unter dem Mikroskop Sichtbares viel Dekoratives und Beeindruckendes hervorzaubern kann, ist keine ganz neue Idee. Bei Kijewski stehen die Aufnahmen aber nicht nur für sich, sondern transportieren eine Geschichte und Empfindungen aus einer anderen Zeit in die Gegenwart. In kleineren Gruppen gehängt, entfalten sie zudem eine enorme optische Sogwirkung.

Rauschhaftes Gesamtwerk

Bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend konnte das Publikum nicht nur zahlreiche großformatige Drucke der Mikroskop-Aufnahmen bewundern. Zu voller Wirkung kam die künstlerische Idee Kijewskis in einer Tonbildschau. Unter kreativer Mitwirkung von Lothar Kohn (Zeichnungen) und Philipp Sobecki (Film- und Musikschnitt) entstand ein wahrhaft rauschhaftes Gesamtwerk, das lebendig erahnen lässt, welche Energie und Faszination einst Heinrich Heine bei Paganinis Konzerten empfunden haben muss. Unterlegt mit Paganinis Musik bringt das Arrangement der Bilder und Farben ein Stück der romantischen Liebe zum Rauschhaften in unsere sich gerne abstrakt und technisch gebende Gegenwart. Was Kijewski zeigt, ist der Blick eines Künstlers auf den Blick eines Künstlers auf einen Künstler. Zu verschachtelt? Dann lohnt es sich, bei der Ausstellung den Kopf einfach auszuschalten und sich auf hoch dosierte Farben und Formen einzulassen.

Die Ausstellung „Florentinische Nächte – Paganini aus der Sicht Heinrich Heines“ von Harald Kijewski ist noch bis zum 6. April in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr. Geöffnet ist die Galerie auch sonntags von 11 bis 13 Uhr.

Von Isabel Trzeciok

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