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Regional Werke aus der Sammlung Georg Girardet
Nachrichten Kultur Regional Werke aus der Sammlung Georg Girardet
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00:19 07.09.2017
Ausbrüche in der Kunstnische: „Prometheus verlässt das Theater“. Quelle: HERLING/GWOSE
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Hannover

HandlungWarnungOrdnung“: So werden hier Worte verkettet und immer enger zusammengeführt – zu „PlanungDurchführungZentralverwaltung“ oder „ZielstellungTechnisierungIntensivierung“. Das Lebensgefühl klaustropobischer Enge, sarkastisches Zitat des Nominalstils, Kritik der Floskelsprache der Obrigkeit – beim Künstler Joseph W. Huber tritt all das klar hervor. So klar, dass seine Offsetdruckserie auch ohne ihren Titel „eNDung“ auf den Jargon verweist, der eben im ND vorzufinden war, in der Zeitung „Neues Deutschland“, die damals, 1980, noch „Zentralorgan der SED“ war.

Kann man aus solchen Verhältnissen nur fliehen? So wie die Gestalt aus Wolfgang Mattheuers Linolstich „Prometheus verlässt das Theater“ (1981)? Oder sich in Kunstwelten zurückziehen wie Werner Tübke in seiner altmeisterlichen Radierung „Die arabische Mutter“ (1970)?

„Fantastische Sammlung“

Derart zwischen offener Kritik und sublimem Eskapismus oszillierende politische Haltungen, aber auch solche und andere künstlerische Techniken sind jetzt in der neuen Ausstellung des Sprengel Museums zu besichtigen. Unter dem Titel „Grafik Ost“ zeigt das Haus 115 Werke von 44 Künstlern aus den Siebziger- und Achtzigerjahren der DDR – und beschert seinem Publikum damit lauter Premieren. Denn zu sehen waren diese Arbeiten nach den Worten des Museumschefs noch nie. „Diese Ausstellung ist ein Beispiel dafür“, sagt Reinhard Spieler bei der Präsentation der Schau, „welche Tiefen und Weiten unsere fantastische Sammlung bietet.“ „Grafik Ost“ demonstriert indes auch, wie lange solche Schätze im Depot verborgen bleiben können. Denn die Arbeiten sind nur gut ein Viertel jener 413 Werke, aus denen die 1988 vom Land Niedersachsen für das Sprengel-Museum angekaufte Sammlung von Georg Girardet besteht. Der spätere Bürgermeister von Leipzig war von 1978 bis 1985 Referent in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR und hat dort Kunst gesammelt.

Vielfalt und Raffinesse

Sein besonderes Interesse galt dabei der Druckgrafik, die freilich auch besonders spannend war. Denn die in kleinen Auflagen und meist nur regional verbreitete Druckkunst war schwerer durch die DDR-Obrigkeit zu kontrollieren und genoss daher eine relative Freiheit in der ostdeutschen Nischengesellschaft.

Kein Wunder, dass dieses Eckchen kleiner Kunstfreiheiten unter insgesamt autoritären Rahmenbedingungen etablierte Künstler wie eben Werner Tübke oder Willi Sitte ebenso lockte wie den 1980 ausgebürgten A.R. Penck, der später an der Düsseldorfer Akademie lehrte, oder auch Volker Stelzmann, der 1986 die DDR verließ und Lehrer an der Frankfurter Städelschule wurde.

Die Sprengel-Grafik-Kuratorin Karin Orchard zeigt die von ihr „individuell und subjektiv“ ausgewählten Bilder dieser Ausstellung, entsprechend den Nischenexistenzen der meisten Künstler, zunächst nach Orten und dann auch nach Themen geordnet. So sind zuerst Künstler aus Berlin, Erfurt und Halle zu sehen, dann aus Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt, das heute wieder Chemnitz heißt. Im hinteren Teil der Grafikräume finden sich typografische Arbeiten wie die von Huber sowie Pop-Art-Anklänge, Arbeiten von Künstlergruppen und die ersten Computergrafikentwürfe, die es auch in der DDR gab. „Gerade anhand der Grafik“, sagt Orchard, „lässt sich erleben, welche thematische Vielfalt und handwerkliche Raffinesse es in der DDR gab – und wie mutig einige Künstler die Freiheit dieser Nischenexistenz zu nutzen wussten.“

„Grafik Ost“: Bis 7. Januar 2018 im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz. An der Eröffnung am Dienstag, 4. September, um 18.30 Uhr nimmt auch der Sammler Georg Girardet teil.

Von Daniel Alexander Schacht

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