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Regional Ausstellung von Kathrin Schwarz im Künstlerhaus Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung von Kathrin Schwarz im Künstlerhaus Göttingen
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00:18 18.03.2013
Aus Duderstadt: Schwarz. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die noch am ehesten an Ziegen oder Gämsen erinnernden Körper der Tiere tragen ihre fein mit Bleistift dazu gezeichneten Häupter als charakterisierendes Element. Unwillkürlich ist man in der Ausstellung „Es fliegen uns die Felle weg“ versucht, den eigenen Assoziationen und Ideen ihren Lauf zu lassen, den fantastischen Wesen wie aus Fabeln Namen und Geschichten zu geben.

Springendes Schaf

So machte es auch Ninia La Grande, Poetry-Slammerin aus Hannover, in einem fantastischen Märchen für Erwachsene zur Einführung in die Ausstellung. Wie ihr Luftikus das Fliegen lernt, so scheint sich auch ein springendes Schaf von Kathrin Schwarz auf den Weg über einen Zaun zu machen. Das Bild „Wer einmal fliegt, läuft nicht mehr“ erzählt von der möglichen Überwindung einer Grenze, einem Davor und einem noch nicht gefundenen Dahinter, einem Übergangsstadium, einer Verwandlung, einer andauernden Bewegung, deren Startpunkt bekannt, das Ziel jedoch noch ungewiss ist. Diese inhaltliche Ausdehnung erreichen die Bilder auch in formaler Hinsicht durch den Zusammenklang von Farbe und Form in Strichen und Gestalten, durch die von mit Acryl übermalter Beize erzeugte Raumtiefe.

Kopflos, aber süß wie Erdbeerkaugummi: Eine Tierplastik. © Pförtner

„Wenn ich an die Zentauren und Sphinxen denke, an die Mythologie, in der Menschen und Tiere eins waren... das alles hat einen wahren Kern“, schreibt Marjana Gaponenko in ihrem Roman „Wer ist Martha“ und mit demselben klugen Witz und der Ironie, die sich in deren krächzenden Tieren mit Holzdegenschnabel finden, nimmt auch Schwarz das Verhältnis von Mensch und Tier, von Mensch und Ding auf die Schippe.

Neonorangefarbene Tierplastik

Die in Duderstadt lebende Künstlerin zitiert beiläufig Kleinigkeiten der Geschichte der Malerei, Jagdgöttin Dianas Tiere tauchen zufällig ebenso auf wie Hieronymus Boschs Schnabeltiere, sie spielt damit, Dingen den gewohnten Kontext zu entziehen wie dem Betrachter den Boden unter den Füßen. Im Raum steht eine neonorangefarbene Tierplastik, der übergroße Kopf ist eine große, weiße, pralle Blase, eine Gedankenblase, die zum Einsteigen und Abheben einlädt, süß wie Erdbeerkaugummi und aufs Angenehmste in jeder Sekunde vom Platzen bedroht.   

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 14. April im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, zu sehen. Dienstags bis freitags ist sie von 16 bis 18 Uhr und an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

Von Tina Lüers

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