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00:17 26.01.2017
Sarah Lehnerer während ihrer Ausstellung im Göttinger Künstlerhaus. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die Kameraeinstellung zeigt eine Hochhaussiedlung. Über Dächer geht es hinweg, an Balkonen vorbei. Das Bild schwenkt und zoomt allmählich heran. Verschiedene Details werden sichtbar. Nach einem Schwenk in den Himmel beginnt eine neue Kamerafahrt. „How many suns do you see?“, lautet der Kurzfilm-Titel, und der Betrachter hat etwa sechs Minuten Zeit, die Frage zu beantworten.

Noch geöffnet:

Die Ausstellung ist bis 26. Februar im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Kostenlose Sonntagsführungen mit der Kunsthistorikerin Kathrin Schäfer gibt es am 5. und 19. Februar, jeweils um 14 Uhr.

Nebenan hängt eine 40-teilige Serie mit kleinformatigen Bleistift- und Tuschezeichnungen, von denen sich einige auch in einem anderen Raum wiederholen. „Soft Weapons“ titeln drei silberfarbig lackierte Bambusstäbe, die sich ebenfalls an anderen Stellen in Installationen wiederfinden. Beim Rundgang trifft der Betrachter auch auf rätselhaft erscheinende literarische Bezüge.

Zeichnungen, Installationen, Skulpturen, Frottagen, Collagen, Musikvideos und Textprodukte: Lehnerer arbeitet mit verschiedenen Medien. In der Praxis geht sie dual vor, das heißt in einer praktischen wie auch theoretischen Auseinandersetzung mit Inhalten. Ihr gehe es darum, „ästhetisch-sinnliche Lösungen für theoretische Fragestellungen zu finden“, erläuterte Kuratorin Anja Lückenkemper vom Kunstverein Göttingen.

Die Ausstellung folgt einem literarischen Prinzip, wobei Lehnerer Autorin und Leserin in einer Person ist und die eigene Subjektivität als Spur legt. Literarisches Schreiben setzt sie als Abstraktionsgrad und Bezugssystem. Und Literatur ist oft Material, Referenz oder Inhalt, aber auch das formale System der künstlerischen Auseinandersetzung. Seit Jahren arbeite sie bereits in einer Kapitel-Struktur, erklärte Lehnerer.

Mit ihrer präzisen Methodik lasse die Künstlerin „eine Erzählung über (körperliche) Symptomatiken und ihre Verortung in diversen Strukturen und Systemen entstehen“, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung. Sie interessiere sich einfach für Systeme und Methodiken, die unterschiedlichen Logiken folgen und zudem für die dabei entstehenden Zwischenräume, so Lehnerer. „Es ist das Spielen mit verschiedenen Logiken des Sehens, Rezipierens, Wahrnehmen.“ Seit Jahren beschäftige sie sich mit einer Reihe amerikanischer Autorinnen, die biografische Subjektivität als Material verstünden. „Man fängt an zu verstehen, dass Geschichte vielstimmig ist.“

Von Karola Hoffmann

Die Künstlerin

Sarah Lehnerer studierte in Hamburg und München Bildende Kunst. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes bis 2016 und erhielt den Diplompreis des Akademievereins München sowie die Debütantenförderung des BBK Bayern. Von 2014 bis 2016 studierte sie bei Diedrich Diederichsen im Master Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ausstellungen erfolgten unter anderem in Hamburg, Berlin, Wien, New York, Genf und Athen.

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