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Ausstellung zu Bölls Wirken in Göttingen

Schau im Günter Grass Archiv Ausstellung zu Bölls Wirken in Göttingen

„Wer die Geschichte und Gegenwart Deutschlands verstehen will, muss Böll lesen“, sagt Stephan Lohr vom Göttinger Literaturherbst. Am Sonnabend hat er mit dem Steidel Verlag im „Günter Grass Archiv“ eine Ausstellung zur „Zeitgenossenschaft und Tradition“ Heinrich Bölls eröffnet.

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Göttingen Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (v.l.) führen mit in die Böll-Ausstellung ein.

Quelle: Arne Bänsch

Göttingen. Wer Bölls Wirken erfassen will, sollte in diese Ausstellung gehen. Auf kleinen schwarzen Tischen liegen 27 dicke Bücher – knallrot eingebunden. Es sind die gesammelten Bände aller Werke Bölls - chronologisch aufgeführt. An den Wänden hängen großformatige Plakate: Collagen aus Briefen, Zeitungsberichten, Fotos und Manuskripten Bölls zu verschiedenen Schaffensepochen und Themen - von der „Kindheit und Jugend“ Bölls über seine „ersten Veröffentlichungen“, „Preise und Ehrungen“, Bölls Einsatz für Menschenrechte“ und seine Auseinandersetzung mit dem Springer Verlag im „Deutschen Spätherbst“ rund um die Erzählung „Die Verlorenen Ehre der Katarina Blum“. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Fotos von Böll an seinem Arbeitsplatz und von ihm gezeichnete Strukturskizzen zu Romanen, die wie gemalte Kunstbilder wirken.

Material und Zeit zum Stöbern

Material und Zeit zum Stöbern.

Quelle: Arne Bänsch

Es ist eine „etwas altmodische“ Präsentation räumte Lohr zur Eröffnung vor etwa 50 Besuchern ein: „eine Ausstellung, in der noch gelesen werden darf und muss“, um sie zu erfassen. Und es ist eine fast intime Ausstellung, die den Schriftsteller, Intellektuellen und politischen Einmischer Böll dem Besucher auf kleinstem Raum in unerwarteter Tiefe und Fülle näher bringt. Konzipiert hat sie der Sohn des Schriftstellers und Sprecher der Erbengemeinschaft, René Böll, mit seinem Vetter Viktor Böll. Letztgenannter war bis 2002 Leiter des Kölner Böll-Archivs. Produziert wurden die Exponate bereits 1995 von Gerhard Steidl – Gründer und Eigner des Hauses mit „Günter Grass Archiv“ in Göttingen.

Viel Lesestoff

Viel Lesestoff.

Quelle: Arne Bänsch

„Jetzt sind sie nach Stationen weltweit nach Hause zurückgekehrt“, erklärte Daniel Frisch, Lektor beim Steidel Verlag. Zurückgekehrt in ein Haus, das wie kein anderes zu dieser Ausstellung passe, ergänzte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Böll und Grass stünden in der Deutschen Literatur des 20. Jahrhundert „in einem einzigartigen Licht mit herausragender Bedeutung“. Böll sei ein „großer, zu Recht verehrter Schriftsteller ein geerdeter Intellektueller und eine ethische Instanz“ gewesen.

Die Ausstellung spanne inhaltlich und mit ihren Beziehungen zu Grass und Steidel einen sehr großen biografisch sowie zeitgeschichtlichen Bogen, kommentierte für die „Heinrich Böll Stiftung“ der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) die Ausstellung. Dabei erinnerte er besonders an Bölls und Grass’ literarische Auseinandersetzung mit einer Zeit, „die unsere Väter-Generation nach dem Zweiten Weltkrieg verschweigen und verdrängen wollte“. Dass eben diese Gesellschaft einschließlich der nachgewachsenen Generation in den 1970er-Jahren „dann diesen kritischen Diskurs darüber führen konnte, war mit Ergebnis des literarischen Wirkens Bölls“.

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„Wer die Geschichte und Gegenwart Deutschlands verstehen will, muss Böll lesen“, sagt Stephan Lohr vom Göttinger Literaturherbst. Am Sonnabend hat er mit dem Steidel Verlag im „Günter Grass Archiv“ eine Ausstellung zur „Zeitgenossenschaft und Tradition“ Heinrich Bölls eröffnet.

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Heinrich Böll (1917 - 1985) war in den 1970er- bis 1980er-Jahren der weltweit bekannteste deutsche Schriftsteller neben Günter Grass (1927-2015). Seine Bücher haben nach Veranstalterangaben allein auf Deutsch eine Auflage von mehr als zehn Millionen Exemplaren, weltweit sind es mit Übersetzungen etwa 30 Millionen. Böll erhielt für sein Werk 1972 den Literaturnobelpreis. Er schrieb Kurzgeschichten, Satiren, große Romane. Zudem wirkte Böll als Intellektueller in der Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören sein Irisches Tagebuch von 1957 und die Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ sowie „Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“.

Ausstellungszeiten

Die Ausstellung im „Günter Grass Archiv“ in der Düsteren Straße 6 in Göttingen ist Teil des „Göttinger Literaturherbstes 2017. Sie ist bis zum 23. Oktober täglich von 14 bis 18 Uhr zu sehen, im Anschluss noch bis zum 4. November täglich von 15 bis 17 Uhr - außer montags und am 25. Oktober.

Von Ulrich Schubert

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