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Balanceakt zwischen Staaten und Frauen

„Nacht der Musik" Balanceakt zwischen Staaten und Frauen

Kurz nach der Wende beendet der österreichische Dirigent Otmar Suitner, geboren 1922 in Innsbruck, seine langjährige Karriere an der Staatsoper Berlin. Die Musik verschwindet aus seinem Alltag. Doch der Fall der Mauer bringt etwas Neues: ein verändertes Familienleben. Jahrzehntelang hatte Suitner zwei Privatleben, eins mit der Ehefrau Marita in Ostberlin, das andere mit der Geliebten Renate und dem gemeinsamen Sohn im Westteil der Stadt.

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Dirigent zwischen Ost und West: Otmar Suitner.

Quelle: Weltecho

Ein Porträt dieses Dirigenten zeichnet der Dokumentarfilm „Nach der Musik“ von Igor Heitzmann, dem Sohn Suitners. Viereinhalb Jahre lang dauerten die Filmarbeiten, bei denen Heitzmann zahllose Gespräche mit seinem Vater geführt hat und dessen Wirkungsstätten besucht hat.

Verehrter Ausländer

Suitner war 1960 mit Marita in die DDR gezogen, um als Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle zu arbeiten. Vier Jahre später wird er an die Staatsoper in Ostberlin berufen. Als verehrter Dirigent und Ausländer genießt Suitner in der DDR einen Sonderstatus. So kann er jederzeit die Grenze passieren und reist zu Konzerten und Gastspielen in Paris, Tokio oder Moskau. 1965 dirigiert Otmar Suitner zum zweiten Mal in Bayreuth. Dort lernt der 43-Jährige die 24-jährige westdeutsche Studentin Renate Heitzmann kennen – der Beginn einer großen Liebe. 1971 wird ihr Sohn Igor geboren.

Wochenendbeziehung

Otmar Suitners Leben wird ein Balanceakt zwischen Kommunismus und Westen, zwischen Privatleben und Karriere, zwischen der Ehefrau in Ostberlin und der Geliebten und dem kleinen Sohn, die er regelmäßig am Wochenende in Westberlin besucht.

„Nach der Musik“ erzählt die Geschichte einer Annäherung: an den Vater, den fernen Dirigenten, an das verschwundene Land DDR, die ungewöhnlichen Lebenswege der Eltern – und an die Musik. Archivaufnahmen zeigen die großen Momente eines Musikerlebens, gefeierte Konzerte und Tourneen, aber auch einfache Orchesterproben oder die Arbeit mit den Studenten der Dirigierklasse an der Musikuniversität in Wien .

Uraufgeführt wurde der Film im Mai im Berliner Kino Babylon in Anwesenheit von Suitner, Heitzmann und dessen Mutter Renate. Der Dirigent musste Anfang der neunziger Jahre seine Karriere beenden, weil er an der Parkinsonschen Krankheit leidet. Bei der Filmpremiere wurde der gerade 87 Jahre alt gewordene Musiker mit herzlichem Beifall begrüßt.

„Nacht der Musik“ läuft von Freitag, 12. Juni, an im Göttinger Cinema.

Von Michael Schäfer

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