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Ballettmusik mit hohem Suchtfaktor

Göttinger Symphonie Orchester Ballettmusik mit hohem Suchtfaktor

Wieder einmal ausverkauft war das Konzert der Kleinen Reihe des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) am Freitag in der Stadthalle. Eine Ursache war sicherlich das außergewöhnlich attraktive Programm mit Beethovens fünftem Klavierkonzert, kombiniert mit der hinreißenden „Romeo und Julia“-Musik von Sergej Prokofjew.

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Ganz Ohr für die Solistin Ewa Kupiec: das Göttinger Symphonie Orchester unter Sebastian Lang-Lessing.

Quelle: Heller

Gerade dann ist es um so schöner, wenn sich die Ausführenden nicht etwa auf die Popularität der Werke verlassen, sondern Resultate eigener Bemühungen und musikalischer Einsichten vorstellen. Das stellte die Solistin Ewa Kupiec im Beethoven-Konzert mit großer Überzeugungskraft unter Beweis. Ihren Solopart spielte sie konturiert und kraftvoll, ohne jeden romantisierenden Zuckerguss, sondern stets klassisch klar und in wohlerwogen maßvollen Tempi: So wird die wahre Größe dieses Werkes ganz unverstellt sichtbar – unterstützt durch die staunenswerten pianistischen Qualitäten der Solistin. Kaum enden wollte der Applaus nach diesem Konzert – die Zugabe war ein zartes Chopin-Nocturne.

Im Zusammenspiel mit der Pianistin hatte sich Gastdirigent Sebastian Lang-Lessing außerordentlich sensibel gezeigt und dabei auch die Klangfarben des Orchesters ausgewogen entfaltet. Dies tat er in Prokofjews „Romeo und Julia“-Musik abermals zum Entzücken des Publikums. Aus den drei Suiten, die Prokofjew aus seiner Ballettmusik veröffentlicht hat, hatte Lang-Lessing eine eigene, dramaturgisch zwingende Fassung eingerichtet: drei Sätze aus der dritten Suite umrahmen große Teile der ersten und zweiten Suite. Das ergibt 55 Minuten farbiger, hochemotionaler Musik, in der sich etliche Instrumentalisten von der Harfe über Flöte, Trompete, Saxophon, Bratsche bis zu den Blechbläsern und der besonders schönen Kantilene von Tuba und Kontrabass solistisch oder in kleinen Gruppen bewähren können. Keine Frage: Nach einem solchen Abend kann man süchtig nach Prokofjew werden.

Von Michael Schäfer

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