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Bassist kollabiert bei Auftritt

Zwischenfall Bassist kollabiert bei Auftritt

Hochgespannt waren die Erwartungen an die „Elias“-Aufführung der Göttinger Stadtkantorei am Sonntag. Mitte Oktober hatte der Chor das Mendelssohn-Oratorium schon einmal unter der Leitung von Bernd Eberhardt zusammen mit dem Bach-Chor aus Göttingens Partnerstadt Cheltenham gesungen: So hatte sich der Chor doppelt für das Werk vorzubereiten –für Aufführungen in englischer und in deutscher Sprache.

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Bemerkenswert locker: die Göttinger Stadtkantorei in der Johanniskirche.

Quelle: Heller

Und so war in der vollbesetzten Göttinger Johanniskirche auch gleich der Beginn mit dem stimmgewaltigen, machtvollen Einsatz des Solisten Andreas Scheibner in der Rolle des Elias zutiefst beeindruckend. Der Chor sang die darauf folgende Klage des Volkes mit Leidenschaft und Inbrunst, zugleich mit großer Präzision und einer bemerkenswert großen dynamischen Bandbreite. Mit seinem hellen, strahlenden Tenor bewies Solist Clemens Löschmann ebenso hohes musikalisches Niveau, anschließend präsentierten sich Jacqueline Treichler mit ihrem hellen Sopran und Anna Haase mit ihrem ausdrucksvollen Alt.
Doch vor dem zweiten Einsatz von Andreas Scheibner gab es einen Zwischenfall: Der Bassist, zuvor an der Wiener Oper in Henzes Oper „Der Prinz von Homburg“ engagiert und mit einem Infekt nach Göttingen gereist, erlitt einen Kreislaufkollaps und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Eigentlich kann man in einer solchen Situation die Aufführung nur noch abbrechen – zumal die Partie des Elias den Mittelpunkt dieses Oratoriums bildet.
Triumphaler Erfolg
Dennoch konnte Dirigent Bernd Eberhardt das Konzert fortsetzen. Denn Tenor Clemens Löschmann erklärte sich bereit, unvorbereitet das Solo für seinen erkrankten Kollegen zu übernehmen. Ein Tenor, der eine Basspartie singt? Ja, das ist in der Tat möglich – auch wenn die tiefen Lagen nicht so voll klingen. Löschmann, Professor an der Musikhochschule in Bremen, hatte mit einigen Schülern diese Partie einstudiert. Daher war sie ihm aufs Engste vertraut.
Und so konnte dieser „Elias“ zu einem geradezu triumphalen Erfolg werden: mit besonders lautstarken Ovationen für Clemens Löschmann, mit nicht minder großer Begeisterung für die Stadtkantorei, die ihren Part mit bemerkenswerter Lockerheit und homogenem Klang gestaltete. Mehrere kleinere silistische Partien konnten mit sehr zuverlässigen Choristen besetzt werden: mit der Sopranistin Franziska Schnoor, der Altistin Irmtraut Walloschke und dem Bassisten Olaf Tietz, der als Einspringer im finalen Solistenquartett die Bassstimme von Andreas Scheibner ergänzte.
Und auch die Instrumentalisten des Göttinger Symphonie Orchesters waren bestens in das straffe, ausgesprochen dramatische Aufführungskonzept von Bernd Eberhardt eingebunden. Sie konnten mit vielen schönen solistischen Leistungen glänzen.
Dem Bassisten Andreas Scheibner geht es inzwischen deutlich besser. Er konnte das Krankenhaus wieder verlassen.

Von Michael Schäfer

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