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Bedrohlichen Trompeten in tiefen Registern

Nelson-Messe Bedrohlichen Trompeten in tiefen Registern

Gemeinsames Singen als religiöse Erfahrung war das Motto eines musikalischen Gottesdienstes am Reformationstag. Zum Haydn-Jahr sang die Kantorei St. Jacobi innerhalb des Gottesdienstes in der Göttinger Jacobikirche mit Unterstützung der Kantorei Biederitz die populäre katholische „Nelson-Messe“ des Jubilars.

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Zwei Chöre in St. Jacobi: Stefan Kordes dirigiert Haydns Nelson-Messe.

Quelle: Heller

Als protestantischer Gegenpart wurde das Lied des Barockdichters Johann Rist „Werde munter, mein Gemüthe“ wie eine kleine Abendvesper zelebriert – eine ökumenische Haltung, die auch von der Predigt reflektiert wurde.

Die komplette Orchesterbesetzung mit drei Trompeten, Orgelpositiv, Pauke und Streichern konnte ohne Profis aus den eigenen Reihen bestückt werden, auch die Soli gestalteten sich aus der Mitte der vereinigten Chorgemeinde heraus. Die Sätze der Messe waren in den Gottesdienst integriert, doch taten die Unterbrechungen dem konzertanten Charakter des klanggewaltigen Werks keinen Abbruch.

Düstere kriegerische Zeit

Kantor Stefan Kordes leitete das Geschehen mit Engagement und Dramatik durchgehend überzeugend. Gleich der Einstieg mit den bedrohlichen Trompeten in tiefen Registern verwies auf eine düstere kriegerische Zeit. Annähernd 100 Musiker sorgten für Klangpracht, doch auch Artikulation und rhythmischer Impuls blieben in der großen Besetzung nicht auf der Strecke.

Als glockenhell erwies sich bereits im „Kyrie“ der koloraturgewandte Sopran Nathalia Traxels, die sich von den Solisten noch am besten gegen Chor, Orchester und Nachhall durchsetzen konnte. Im „Qui tollis“ unterstützten ausdrucksvolle Violinen mit sparsamem Vibrato und das farbige Orgelpositiv den abgerundeten Bass von Christian Neofotistos. Der Chorkanon des „Credo“ wurde gut gemeistert, Kordes führte den Chor besonders im „Sanctus“ mit dynamischen Abstufungen zu großer Klangentfaltung.

Noch bei der Arbeit am „Benedictus“ 1798 soll Haydn die Nachricht erreicht haben, dass es Admiral Nelson gelungen war, der französischen Flotte eine Niederlage zuzufügen. So wurde aus der „Messe in Zeiten der Bedrängnis“ ein großartiges Festchorwerk. Hier steigerte sich nach einer melancholischen Orchestereinleitung der unheimliche Marsch mit Trompetenfanfaren bis zum freudigen „Osanna“. Mit Recht gab es nach dem abschließenden „Dona nobis pacem“ viel Beifall für dieses musikalische Glanzlicht.

Von Dean Cáceres

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