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Begemann und Darmstaedter live im Nörgelbuff

Rock’n’Roll Begemann und Darmstaedter live im Nörgelbuff

Wir haben Deutschland an seine Vergangenheit erinnert, und es hat verstört reagiert.“ Bernd Begemann eröffnet einen Abend im Nörgelbuff, der furios enden sollte. Die Vergangenheit, die Begemann anspricht, das ist der deutsche Rock’n’Roll der 1950er und frühen 1960er Jahre, eine komplett entschärfte, harmlose und schwiegerelterntaugliche Variante des zuvor in den USA bahnbrechenden Rock’n’Roll und Rockabilly aus den Südstaaten.

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Top-Team auf musikalischer Entdeckungstour: Dirk Darmstaedter (links) und Rampensau Bernd Begemann.

Quelle: Mischke

Begemanns Bandkollege Dirk Darmstaedter hatte schon als Teenager auf Hamburger Flohmärkten viel zusammengekauft, was damals erschien, darunter Eigenwilligkeiten von Peter Kraus, Ted Herold und Conny Froboes. Vom Dachboden haben sie die Platten dann geklaubt, durchgesehen, gehört und tatsächlich Preziosen zu Tage gefördert. „So geht das jede Nacht“ heißt die CD, die sie damit bestückten und die sie jetzt mit Band im sehr gut besetzten Nörgelbuff präsentierten. Interpret des Titelsongs war übrigens Freddy Quinn.
Stark beeinflusst haben Darmstaedter, geboren 1965, und Begemann, Jahrgang 1961, die Hamburger Schule. Und solche Heroen nehmen sich solch musikalischer Nebensächlichkeiten an? Klar, wer denn sonst. Sie zeigen, dass diese Lieder nicht harmlos sein müssen, sondern oft nur so vorgetragen wurden – oder so verstanden werden sollten. Rampensau Begemann und Vollblutmusiker Darmstaedter machen aus den Liedchen musikalische Ereignisse. Sie drängeln sich mit dem Gitarristen Folke Jensen, dem Bassisten Ben Schadow und dem Drummer Lars Plogschties auf der winzigen Buff-Bühne und rocken, dass der Schweiß spritzt. Sie schluchzen herzergreifende Balladen mit so viel Hall, dass die Bühnenbretter vibrieren und Tränchen kullern wollen.

Dazwischen plaudert und scherzt Begemann vergnügt in die Runde, ein zauberhafter Unterhalter, der seine Band gerne auch mal vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Als sich gegen Ende des Konzerts die Frage nach einem weiteren Lied stellt, schlägt Begemann ein bislang wenig geübtes Stück vor. Darmstaedter will Bedenken tragen, doch Begemann schafft Tatsachen. Er spielt einfach los, der Rest hechelt hinterher. Und natürlich wird auch dieses Wagnis belohnt. Ein Abend, der gelingt, weil zwei Musiker sich mit Begeisterung, Sympathie und Gewissenhaftigkeit umgesehen haben.

Etwas überraschend hatte das Nörgelbuff-Team eine ausgesprochen passende Vorband aufgeboten: die Harz-Rocker. Billy the Ted, stilecht mit Tolle, Leopardenrevers und dicken Gummisohlen, und der Göttinger Daniel Adler coverten ebenfalls liebevoll die Schmuckstücke dieser Jahre. Adler mit Ukulele, Billy mit Plastikgitarre „für 25 Euro aus dem Supermarkt – mit Verstärker“ erzählte er.

Von Peter Krüger-Lenz

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