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Berliner Puppenspieler eröffnen Göttinger Figurentheatertage

Tierisch Berliner Puppenspieler eröffnen Göttinger Figurentheatertage

"Der Biber war ja ein Arschloch“, sagt Frau Katze zu Frau Kuh, die über so eine Wortwahl zurecht empört ist. Denn dass man so nicht über die Toten spricht, dürfte auch im Tierreich moralischer Konsens sein. Insbesondere in einem Altenheim, das sich beide genannten Tiere noch mit Herrn Wolf teilen, könnte man mehr Pietät erwarten.

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Klare Worte von Frau Katze: „Berliner Stadtmusikanten“ vom Theater auf der Zitadelle.

Quelle: Heller

Doch etwas Gutes hat das Ableben des Nagetiers dann doch bewirkt, wie man in der Puppenspiel-Komödie „Die Berliner Stadtmusikanten“ erfahren konnte, die das Berliner Theater auf der Zitadelle im Rahmen der 28. Göttinger Figurentheatertage im Goethe-Institut zur Aufführung brachte.

Denn der neue Bewohner heißt Herr Spatz und möchte unbedingt nach Berlin. Ins Seniorenheim ist der verwitwete Piepmatz sowieso nur zwangsweise, „weil es allein halt nicht mehr so geht“ seit seine Frau einfach vom Himmel gefallen ist. Da die restlichen Bewohner des auch nur im literarischen Wortsinne fabelhaften Altenheims „Zum Sonnenschein“ unter den tyrannischen Pflegern zu leiden haben, ist der Entschluss, sich von der Uckermark bis nach Berlin durchzuschlagen, schnell gefasst.

Dabei weiß doch jeder Vorgarten-Ornithologe, dass es sich beim sogenannten Spatz, oder gemeinen Haussperling, um einen stinknormalen Standvogel handelt, mit dessen Navigationskünsten es nicht sonderlich weit her ist. Aber Spatz beiseite, denn wie sich schließlich herausstellt, ist wie so oft der Weg das Ziel: Die vier ungleichen Freunde erwachen aus ihrer Lethargie und finden die Kraft zum Vergeltungsschlag.

Tierisch mit Charakter

Was Regina Wagner und ihr Sohn Daniel hier auf die Bühne brachten, war ein rührendes, vor Wortwitz sprühendes Märchen über die Würde und die geheimen Freuden des Älterwerdens. Gleichzeitig gelang es beiden Puppenspielern auf beeindruckende Weise, eine bewegende gemeinsame Welterfahrung von Mensch und Tier heraufzubeschwören. Auch sie arbeiteten mit dem Element der Vermenschlichung, was immer für viele Lacher gut ist.

Und dennoch – jedes der vier Charaktertiere war doch mehr als eine stilistische Hülle für letztendlich menschliche Affekte. Es ist daher sicherlich keine Ketzerei zu behaupten, sie hätten den Stoff aus den Märchen der Brüder Grimm um eine besondere Perspektive erweitert.

Von Jonas Rohde

15 Bühnen aus dem gesamten Bundesgebiet und nehmen mit 30 Aufführungen an den 28. Göttinger Figurentheatertagen bis Sonntag, 24. Februar, teil. figurentheatertage.goettingen.de
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Neue Spielorte

Die Göttinger Figurentheatertage sind eine feste Größe in der Göttinger Kulturlandschaft. Bereits zum 28. Mal gehen sie von Sonnabend, 9., bis Sonntag, 24. Februar, über die Bühne, die diesmal auch an einigen neuen Orten stehen wird. Der sonstige Hauptspielort des Festivals, das Alte Rathaus, steht in diesem Jahr nicht auf dem Programm.

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