Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Bernd Begemann mal wieder im Göttinger Nörgelbuff

One-Man-Show Bernd Begemann mal wieder im Göttinger Nörgelbuff

Mit Konzerten von Bernd Begemann ist es wie mit Filmen von Woody Allen: Man amüsiert sich prima, lacht viel, lässt sich intelligent unterhalten und wird trotzdem etwas melancholisch.

Voriger Artikel
Verein Filmnetz Göttingen feiert Einstand mit Kurzfilm
Nächster Artikel
Drei junge Musiker in der Göttinger Universität
Quelle: EF

Göttingen. Vielleicht liegt das daran, dass der Sänger in seinen herrlich witzigen, hinterlistigen und obskuren Songs über die eigene Unvollkommenheit singt – und in der man sich als Zuhörer wiedererkennt. Am Sonnabend wurde der Hamburger von seinen Göttinger Fans im Nörgelbuff gefeiert.

Im hellen Anzug mit Krawatte, elektrischer Gitarre und jeder Menge Charisma steht Begemann auf der Bühne. Der 50-Jährige singt grandios gutgelaunt Ohrwürmer , erzählt kuriose Geschichten um seine Songs herum und illustriert sie mit Gesten, Augen und Mund. Als One-Man-Show ist er lasziv, ordinär, abgeklärt, scharfsinnig und weise zugleich. 

Er singt über banale Themen wie Schulabschluss genauso wie über die Neureichen in Hamburg-Eppendorf oder die Kündigung beim Arbeitgeber. Ganz nebenbei sinniert er über „homophob“ und „rassistisch“ – alles stets klug und schön nahe am Rand des guten Geschmacks und des politisch Korrekten. Begemann hat den Hang ins Philosophische.

Diesem Mann ist nichts heilig. Erst recht nicht das Scheitern in der Liebe. Das wunderbar Fiese an seinen Liedern ist, das sie so gnadenlos realitätsnah sind. In Songs über Beziehungen mit Refrain-Zeilen wie „Wir sind gut im Bett – aber nirgendwo sonst“ oder „Gib mir eine zwölfte Chance – ich enttäusche dich so wie nur ich es kann“ singt er überspitzt über ganz normale Beziehungsabgründe.

Der Sänger möchte Romantiker sein und bleibt desillusioniert in der Realität stecken. Lachen muss und darf man bei diesen eingängigen Liedern trotzdem. Es befreit.

Als Entertainer gibt er im gut besuchten Nörgelbuff mal wieder alles: Er singt Lieder auf Zuruf aus dem Publikum , knöpft sein Hemd tief auf, tanzt, persifliert Elvis, schreit und schwitzt. Das Publikum liegt ihm zu Füßen und singt mit.

Nach Mitternacht ist die letzte Zugabe vorbei. Und irgendwie nimmt man ein gutes Gefühl mit nach Hause. Denn ein Abend mit Begemann gibt Kraft, weil doch alle Songs eine gemeinsame und gute Botschaft haben: Du bist okay, und ich bin okay – so unvollkommen wie wir alle sind.

Bernd Begemann im Internet

Von Udo Hinz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag