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Best of Björn Jentsch im Göttinger Apex

Charakteristischer Klavierstil Best of Björn Jentsch im Göttinger Apex

Das Schönste am Stummfilm ist die fehlende Tonspur. Zumindest, wenn jemand am Klavier sitzt, der sein Handwerk versteht. Björn Jentsch widmet sich dieser Kunstform seit zehn Jahren und hat sich  damit in Göttingen einen sehr guten Namen erspielt.

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Charakteristischer Klavierstil: Björn Jentsch.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Und auch wenn er heute in Bremen lebt, kommt er anscheinend gerne zurück: Sein Publikum im Apex begrüßte er mit „Mensch, habt ihr’s schön hier“. Vielleicht wäre es ja für alle Beteiligten besser, wenn Jentsch die Weser wieder mit der Leine tauschen würde.

Sein charakteristischer Klavierstil jedenfalls  fehlt im Klangkolorit der Stadt. Denn der setzt sich mitnichten nur aus den popularmusikalischen Einflüssen des frühen 20. Jahrhundert zusammen.

Seine Eigenkompositionen und Improvisationen lassen die  Beschäftigung mit Keith Jarretts Phrasierung und Begleitung erahnen, bedienen sich aber genauso selbstverständlich bei zeitgenössischer Popularmusik, Jazzrock, Blues und Barock.

Letzteres ist nicht bloß das klangliche Sahnehäubchen, sondern Kernstück dessen, was Jentsch so besonders macht: Ästhetik und Technik des Kontrapunkts sind tief in sein Spiel integriert und fügen sich in geraden oder swingenden Achteln wie selbstverständlich in eine Tonalität des zwanzigsten Jahrhundert.

Vorbild Buster Keaton

Jentsch hat sichtlich Spaß an der polyphonen Gestaltung seines Spiels, sodass es eigentlich nicht überrascht, als er sich in der Mitte seines fast zweistündigen Programms als Bewunderer Bachs bezeichnete. Die danach folgende waschechte Fuge war trotzdem eine großartige Überraschung.

Eine weitere Inspiration für Jentsch stammt aber nicht aus der Musik, sondern dem Film : Sein Vorbild Buster Keaton hat insbesondere im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts Filme hinterlassen, die unseren Humor noch bis heute prägen: Menschen verlieben und zerstreiten sich, rennen sich nach und – fallen dabei in großer Regelmäßigkeit auf die Nase.

Dieser Gefühlscocktail, bei dem Lachen und Weinen in rührender Weise so eng beieinander liegen, erfordert von begleitenden Musikern ein hohes Maß an programmatischem Gespür, beschränkt sie aber gleichzeitig in der zeitlichen Gestaltung.

Jentsch nutzte sein Konzert im Apex daher vor allem, um seine liebsten Themen aus zehn Jahren Stummfilmbegleitung einmal ausspielen zu können – übrigens nicht nur am Klavier, sondern ebenso hörenswert mit Gitarre und Trompete.

Und auch, wenn zum Schluss mit „Cops“ von 1922 dann doch noch ein Film Keatons gezeigt wurde: Der Abend war vor allem wegen seiner Musik so besonders.

Von Jonas Rohde

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