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Bettina Roesner inszeniert „Starkstrom“ im Göttinger Theater im OP

Trash, Sexismus, Nonsense Bettina Roesner inszeniert „Starkstrom“ im Göttinger Theater im OP

Wer jemals dabei zugesehen hat, wie betrunkene 15-Jährige versuchen, noch betrunkener und damit vermeintlich witziger zu wirken, der hat eine Ahnung davon, wie die Premiere des Stückes „Starkstrom“ im Theater im OP ablief. Bettina Roesner hätte kaum eine unglücklichere Wahl für ihr Regiedebüt treffen können als mit dem Stück von Simon Vice.

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Oft laut: T. Sicking, B. Doßenbach, C. Seltmann (von links).

Quelle: Roesner

Göttingen. Das Gastspiel war als „eine seichte Göttinger Komödie“ über die Wohnungsnot beschrieben, entpuppte sich aber als ein klischeebeladenes Beziehungsdrama zweier Menschen, denen es weder an Geld noch an Möglichkeiten fehlt, eine Wohnung zu finden, womit der Handlung jegliche Grundlage entzogen ist.

Dass die beiden Protagonisten Konrad (Christopher Seltmann) und Judith (Beeke Doßenbach) dabei sind, ihr Dach über dem Kopf zu verlieren, ist den beiden während des gesamten Stücks nicht bewusst, und auch für den Zuschauer ist es schwierig, die Dramatik der Situation nachzufühlen, denn in erster Linie wird auf der Bühne geschrien und ein Klischee nach dem anderem bedient.

Das Pärchen, mit dem man sich identifizieren sollte, zerreißt sich in abstrusen Dialogen und Kommentaren wie: „Hast du gesagt, dass ich fett bin? Deine Ex war ja wohl viel fetter.“ Und: „Nur weil du Brüste hast, denkst du, es sei alles erlaubt?“ Eine Katharsis wird so gleich zu Beginn unmöglich gemacht.

Ist am Ende alles eine trashige Satire?

In der Rahmenhandlung tritt Roesner als kommentierende Regisseurin auf und weist ihre Assistentin darauf hin, dass das Stück keine Handlung habe und die vermeintliche Klimax (ein Stromausfall) ein Zufall sei, dessen Ereignis sich nicht aus dem Stück heraus motiviere. Damit bestätigt sie den Eindruck, den man als Zuschauer ohnehin schon hat.

Ist am Ende alles eine trashige Satire? Eher nicht. Die einzige Chance, die Klischees und Sexismen aufzulösen, vertut das Stück, indem es ein Gespräch zwischen Konrad und der durchgedrehten Kunigunde, gespielt von Renate Hillebrandt, ins Sinnlose führt.

Lichtblick der Inszenierung sind Klaus-Ingo Pißowotzki und Autor Simon Vice, die die beiden Vermieter Dietmar und Wilhelm spielen. Sie sind der Ruhepol in einem überzogenen und chaotischen Stück, das ohne diese beiden gänzlich auseinander brechen würde.

Weitere Aufführungen am 24., 27. und 29. Juli um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.

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