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Boat People Projekt: Premiere von „Black Beauty“

Cheltenham House Boat People Projekt: Premiere von „Black Beauty“

Ein ungewöhnlicher Aufführungsort ist die Passage im Cheltenham-House. Am Sonnabend feierte hier im ehemaligen Plus-Markt „Black Beauty“ Premiere. Es ist das neue Bühnenwerk vom Boat People Projekt in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum und dem Goethe Institut Göttingen.

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Frisch verliebt: Julie (Sonja Elena Schroeder) und Bheka (Xolani Mdluli).

Quelle: de la Chevallerie

Göttingen. Die Gründerinnen des Projekts, Nina de la Chevallerie und Luise Rist, sind dafür bekannt sich ungewöhnliche Orte für ihre Inszenierungen auszusuchen. Seit 2009 arbeiten sie mit Kunstschaffenden zusammen, die aufgrund ihrer Herkunft zu Protagonisten werden. Insbesondere die Perspektiven von jungen Flüchtlingen haben sie inspiriert.

Geschichte von „Black Beauty“

So ungewöhnlich ist die Geschichte von „Black Beauty“  aber zunächst nicht: Ein frisch verliebtes Paar zieht in die erste gemeinsame Wohnung ein und ist solange glücklich, bis seine alte Liebe plötzlich vor der Tür steht und das Verlobten-Glück in Frage stellt. Natürlich sind da Irrungen und Wirrungen vorprogrammiert. Umso mehr jedoch bei Julie (Sonja Elena Schroeder), Bheka (Xolani Mdluli) und der unverhofften Besucherin Alice (Nathalie Hounvo Yepke). Bheka kommt ursprünglich aus Westafrika. Er hatte sich in Deutschland eigentlich gut eingelebt, trotz einiger rassistischer Kommentare, die er im Alltag ertragen muss. Doch als seine Verflossene aus Benin plötzlich in seinem Wohnzimmer steht, werden bei dem jungen Mann Erinnerungen und versteckte Sehnsüchte wach. Er weiß nicht mehr, wohin er gehört, zu welcher Kultur er sich zugehörig fühlen soll.

Zwischen den beiden Frauen entfacht währenddessen um den gemeinsamen Geliebten ein fauchender Krieg. Dieser spiegelt wider, welche Bilder in den Köpfen der Menschen von dem jeweils anderen Kontinent bestehen. Aus dem Blickwinkel von Afrika ist Europa Sinnbild für Wohlstand, im weißen Idyll leben weiße Menschen, die Müll trennen und generell fanatische Ordnungsliebhaber sind. Das „typisch Afrikanische“ zeigt sich währenddessen in den eindrucksvollen Tänzen und der ausgelassenen Lebenslust. Die Musik, komponiert und gespielt von Hans Kaul und Mark Kutah, unterstreicht diese Atmosphäre.

Deutsche sind pünktlich, ordentlich und reserviert

Hier wird mit Stereotypen gespielt. Natürlich sind nicht alle Deutschen pünktlich, ordentlich und reserviert. Dennoch hilft dieses pointierte Bild gegenseitiges Verstehen zu generieren. Es ist deshalb selbstverständlich, dass es auch in diesem Stück aufgegriffen wurde. Trotzdem, und das ist die Stärke der Geschichte, bleibt es nicht bei dieser einseitigen Sichtweise. Im Gegenteil geht es darum, dass alle einzig- und andersartig sind, unabhängig davon, woher sie kommen. Zusammenleben ist immer schwierig und kann nur mit einem respektvollen Umgang anderen gegenüber gelingen. Diese Botschaft übermitteln die Schauspieler sehr überzeugend. Es geht nicht um Europa versus Afrika. Der Schlüssel zum Verstehen sind Offenheit und Neugierde.

Die Passage, französisch für Durchgang, bezeichnet ursprünglich einen Seeweg und passt sinnbildlich zu  der Botschaft des Stücks, das zwischen zwei Kontinenten spielt. Auf den Weg machen sollten wir uns deshalb auch. Wenn nicht direkt nach Afrika, dann doch erst einmal in dieses wunderbar umgesetzte und anregende Stück.

Weitere Vorstellungen : Donnerstag, 28. Februar, Freitag, 1., März, sowie 2., 3., 9., 11., 14., 15., und 16. März, jeweils um 20 Uhr.

Von Sarah Lodder

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