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Regional Boat People-Projekt mit „WeltPolitikReaktionsVentil“ in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Boat People-Projekt mit „WeltPolitikReaktionsVentil“ in Göttingen
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13:45 12.07.2015
Demonstration als Ventil: Szene aus "WeltPolitikReaktionsVentil" der Bürgerbühne des Boat People-Projektes. Quelle: EF
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Göttingen

Kriege, Flüchtlingsströme und Globalisierung, Medienkonsum, Armut und wachsende Weltbevölkerung: In einer Medienflut prasselt Weltpolitik alltäglich auf uns ein.

Und hier im neu eingerichteten Bühnenraum im ehemaligen IWF-Gebäude flattern jede Menge Zeitungsseiten von der Balustrade. Wie gehen wir um mit all dem Weltgeschehen und unserer Ohnmacht? Antworten liefert das soziokulturelle Projekt der Bürgerbühne, das sich vier Monate lang mit dem „vielköpfigen Ungeheuer Weltpolitik und dessen Wirkung auf unser sattes Leben“ befasst hat, zwar nicht. Dafür eine Vielfalt an Gedanken und Ansätzen, an Reaktionsventilen.

Da gibt es eine Gruppe, die mit privat-politischen Meditationstechniken versucht, der Frage nachzugehen, was man „eigentlich“ so ist und sein könnte. Während eine andere Gruppe für gemeinschaftliches Gärtnern in Städten demonstriert, das „nachbarschaftliche Teilhabe“ ermöglicht. Es gibt eine Herde an Schafen, „die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht“ wird, deren „Eingliederung in ein Wolfsrudel“ aber möglich ist.

Auch ein Bauarbeitertrupp ist da, der jede Menge wegzufegen hat und den Zuschauern Anweisungen erteilt. „Sie müssen alle Regeln befolgen. Vertrauen Sie uns.“ Das ist so eine Sache. Gerade wenn die Figur „Konsumissima“ mit einer Google-Brille buhlend daherkommt und feststellt „hier sitzen Menschen, die auf der Suche nach dem Glück sind“.

Eine Handlung gibt es nicht in dem Stück, in der Performance. Vielmehr ist das „WeltPolitikReaktionsVentil“ein buntes szenisches Treiben. Mal poetisch, mal kritisch, dadaistisch, witzig, philosophisch und anderes mehr. Aber eines stellen die Laien-Akteure der Bürgerbühne, die in Workshops mit den Kreativlenkern Franziska Aeschlimann, Nina und Reimar de la Chevallerie, Dominik Landwehr, Sonja Elena Schroeder und Nicola Bongard gearbeitet haben, klar: „Dieses Ding hier ist oberflächlich. Wir werden die Welt nicht retten.“

Videofilme, Einspieler, Musik, ein riesiges Klappmaulmonster, das alles Mögliche in die Szenerie hineinspuckt. Auf der Bühne ist mächtig was los. Einen Ruhepol schaffen die Figuren Claus Kleber und Gundula Gause, die immer wieder „gute Nachrichten“ bringen.

Manches in all dem Treiben bleibt durchaus rätselhaft. Dafür bleibt Raum für Assoziationen. Die Premierenzuschauer bedankten sich mit viel Applaus.

Weitere Vorstellungen am 17.,18.,19., 21., 22. Juli, um 20 Uhr, im IWF-Gebäude, Nonnenstieg 72. Karten unter boatpeopleprojekt.de.

Von Karola Hoffmann

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