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Bodo Kirchhoff liest im Göttinger Max-Planck-Gymnasium

Akribische Gefühlsforschung Bodo Kirchhoff liest im Göttinger Max-Planck-Gymnasium

Er liest mit Hingabe, tief über seinen Text gebeugt. Lebendig und kraftvoll gestikulierend trägt der Frankfurter Autor Bodo Kirchhoff Passagen aus seinem umfangreichen neuen Roman „Die Liebe in groben Zügen “ in der geschichtsträchtigen Aula des Max- Planck- Gymnasiums vor.

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Ironischer Blick auf die Liebe: Bodo Kirchhoff.

Quelle: Heller

Göttingen. Die Lesung des Literarischen Zentrums bildet den Abschluss des zweiten Göttinger Büchertages im Albaniviertel.

Der Ort sei passend, so der Göttinger Verleger Thedel von Wallmoden, denn der Schulhof münde auf die Bühlstraße. Bühl ist einer der männlichen Protagonisten im Roman und unter Umständen der Ausweg aus einer jahrelangen Ehe. Kirchhoff zeigt sich ebenfalls beeindruckt von der „furchteinflößenden Aula“, in der man sich als neuer Schüler sicher genauso überfordert und verloren fühle wie des Öfteren beim Schreiben.

Das mag maßgeblich am Thema liegen, denn Kirchhoff begibt sich als akribischer Forscher in die unendlichen Tiefen und Untiefen der Beziehungswelt. Er erzählt von Vila und Renz, einem Paar mit erwachsener Tochter, überaus gutsituiert, erfolgreich in der Medienwelt tätig, mit Stadtwohnung in Frankfurt und Haus am Gardasee.

Sie sind zunächst noch ein Paar „das noch nicht zu viel voneinander weiß“, deren Leben auf eine bestimmte Art und Weise ausbalanciert ist, bis der Schriftsteller Bühl in ihr und vor allem Vilas Leben tritt. Dieser möchte den Winter in ihrem Sommerhaus verbringen, um an einer Biografie über Franz von Assisi zu arbeiten.

Und auch Renz bekommt Besuch von der Produzentin Marlies. Beide verlieben sich, die Ehe gerät nicht in die erste, vielleicht aber in die finale Krise. Unendlich detailreich, messerscharf und manchmal fast unangenehm sezierend beleuchtet Kirchhoff, was sich in einer nicht mehr jungen Ehe in diesem Wohlstands- und Intellektuellenmilieu abspielt. Was ihn dabei auszeichnet ist die Unerschrockenheit des Blicks, seine Ironie und sein Humor.

Im Gespräch mit Thedel von Wallmoden wird offenbar, wie viel von Kirchhoff selbst in diesem hochambitionierten Roman steckt. Natürlich habe er seine Kenntnisse eines gewissen Milieus eingesetzt, er könne nicht über etwas schreiben, was ihm unbekannt sei, so der Autor. Deshalb spiele der Roman auch am Gardasee, wo Kirchhoff selbst ein Haus besitzt und mit seiner Ehefrau Schreibkurse gibt.

Es geht in „Die Liebe in groben Zügen“ aber nicht nur um Vila und Renz. Er habe versucht alle Aspekte, die er zu diesem Thema kenne, in den Roman hineinzutragen, so der Autor. Der Charme des Titels liegt deshalb vor allem in der Ironie, dass niemand je alles über das Phänomen Liebe sagen kann, auch nicht auf fast 700 Seiten.

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