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Bodo Wartke und seine „Klaviersdelikte“ in der Göttinger Stadthalle

Musik-Kabarett Bodo Wartke und seine „Klaviersdelikte“ in der Göttinger Stadthalle

Kein Wort. Er setzt sich an den Flügel, und spielt einfach drauf los. Etwas klassisches. Mozart vielleicht, den spielt er ja oft. Instrumental minutenlang, dann löst er seinen Blick von seinen Tasten, dreht seinen Kopf zum Publikum und lächelt verschmitzt. Die Musik macht einen Twist und verwandelt sich in flotten Swing.

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Programm mit Themenvielfalt: Bodo Wartke, Schlawiner und pianistischer Routinier.

Quelle: Heller

Göttingen. „Das sind Probleme, die ich früher noch nicht hatte“, singt er im Refrain und meint dabei die Schwierigkeiten einer Kaffee­bestellung zwischen Sojamilchschaum und Macadamiasirup oder das Binden einer Krawatte. Schon mit diesem ersten Lied hat er sein Publikum auf seine Seite gezogen. Nicht wenige singen mit.

Bodo Wartke heißt das Schlitzohr am Klavier, dessen Lieder oft nicht so enden, wie man es erwartet. Der Routinier am Piano und Schlawiner in seinen Reimen wurde in Hamburg geboren und lebt in Berlin. In der Stadthalle steht Wartke mit seinem Programm „Klaviersdelikte“ auf der Bühne.

Als Leitmotiv seines Konzerts nennt Wartke Probleme. In seinem vorangegangenen Programm seien Frauen das Grundmotiv gewesen. „Sie sehen, meine Konzerte bauen aufeinander auf“, sagt Wartke in einem seiner kurzen Stand-Ups.

Dabei sind Frauen auch in Klaviersdelikte ein häufiges Thema. Etwa wenn Wartke behauptet, zu jedem weiblichen Vornamen eine Strophe in seinem Repertoire zu haben. Für Frauen im Saal, die einen Namen tragen, auf den das nicht zutreffe, gibt es eine CD geschenkt. Gezweifelt wird bei Hildegunde, er kann aber mogeln und seine Strophe zu Kunigunde umdichten. Gewonnen hat an diesem Abend übrigens „Lillibet“.

Gelungene Mischung

Das Besondere an Wartkes Programm ist die Themenvielfalt. Da sinniert er über die Tristesse deutscher Nachkriegsarchitektur oder singt über den Heuschnupfenanfall, der einen just dann ereilt, wenn die Angebetete eine romantische Ansprache hält: „Ich dachte, du weinst aus purer Emotion.“ „Nein, das ist nur ein allergisches Symptom.“

Auch ernste Lieder bringt Wartke. Ein besonders wirkungsvolles heißt „Christine“. Es ist ein sehr persönliches Lied, dass vom Tod seiner im Säuglingsalter verstorbenen Schwester handelt. „,Haben Sie Geschwister‘, werde ich manchmal gefragt. Nein ich sei Einzelkind, hab ich früher immer gesagt. Dabei war das ja aber eigentlich gar nicht wahr“, singt Wartke.

Genau daran bemisst sich die Größe des Klavierkabarettisten. Ernste und bedrückende Themen werden nicht ausgespart. Sie fügen sich ein in das amüsante Programm mit neckischen Reimen und schwungvoller Klaviermusik. Ein unterhaltsamer Abend, der erst nach der dritten Zugabe zu Ende geht.

Von Daniela Lottmann

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