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„Böhmische Impressionen“ des Göttinger Symphonie-Orchesters

Großer Wurf am Ende „Böhmische Impressionen“ des Göttinger Symphonie-Orchesters

Schon am Anfang Appetit auf das Ende zu machen, ist oft ein kluger Schachzug.  Das dachte sich auch Dorothea Schröder, die Moderatorin  des dritten und letzten Konzertes der Reihe „Böhmische Impressionen“ des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO).

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Das Göttinger Symphonie Orchester

Quelle: Archiv (Symbolbild)

Göttingen. Böhmen, ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen und Heimat einiger  talentierter Komponisten, denen in dieser Konzertreihe die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu Teil wird.

Fachkundig und informativ führt Schröder in der Aula am Wilhelmsplatz durch den Konzertabend und gibt Einblicke in Leben und Werk von Johann Baptist Vanhal, Johann Baptist Georg Neruda und Jan Václav Vořišek, dessen Symphonie in D-Dur sie verheißungsvoll ankündigt. Doch zunächst erklingt Vanhals Symphonie in der für Symphonien eher untypischen Tonart e-Moll, und beginnt die musikalische Reise in der gut besuchten Aula.

1739 geboren, gelang es Vanhal als einem der ersten Komponisten als freischaffender Künstler zu leben. Seine Symphonie ist geprägt durch einen drängenden ersten Satz, gefolgt von einem eher gemächlichen Cantabile, das zu einem tänzerisch, eleganten und leichtfüßig vorgetragenem dritten Satz führt und in einem vor Spiel- und Dirigierfreude (Leitung: Christoph-Mathias Mueller) strotzendem Allegro mündet.

Um den Hörgenuss zu verstärken, möge man sich bei Nerudas „Konzert in Es-Dur für Trompete, Streicher und Basso Continuo“ gedanklich ins Schloss Moritzburg nahe Dresden begeben, empfiehlt Schröder. Vielen ist das Schloss aus dem Märchenkultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von 1973 bekannt.

Neruda – vermutlich um 1707 geboren – war mehr als 30 Jahre in der Dresdener Kapelle als Violinist tätig. Ursprünglich wurde sein Werk für Corno da caccia (aus der Gruppe der Horninstrumente) geschrieben, mit der Trompete sei es aber weniger anstrengend  zu spielen, erläutert Schröder.Auffällig ist die eher melodiöse, gesangliche Oberstimme des Werkes, die im Gegensatz zu barocken Trompetenkonzerten steht. Der über weite Strecken des Abends überzeugende Solist ist Helmut Pöhner. Zuweilen fehlt jedoch die Virtuosität, der rechte Glanz im Spiel.

Der große Wurf kommt wie angekündigt am Ende des Abends, denn Vořišeks Symphonie D-Dur op. 23 besticht nicht nur durch ein dramatisches, packendes Allegro con brio als Einleitung, sondern vor allem durch eine üppige Ausstattung der tiefen Lagen durch Streicher. Das GSO erzeugt eine musikalische und emotionale Wucht, die mitreißt und sprichwörtlich durch Mark und Bein geht.

Von Marie Varela

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