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Regional Brahms-Requiem mit Göttinger Unichor und -orchester
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12:17 28.01.2018
Hochkonzentriert bei der Sache: Göttinger Universitätschor und -orchester in St. Jacobi unter Ingolf Helm. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Zwar ist es Tradition, ein Requiem in zeitlicher Nähe zum Totensonntag aufzuführen, aber es gibt viele gute Gründe, von dieser Gepflogenheit abzuweichen. Auch der Muttertag sollte schließlich nicht der einzige Tag sein, an dem wir an unsere Mütter denken.

Ein eindrucksvolles Aufgebot an Choristen und Instrumentalisten füllte den Altarraum der Jacobikirche: im Chor rund einhundert Sängerinnen und Sänger, dazu 64 Orchestermitglieder. Dass sie alle nicht professionelle Musiker sind, sondern im Hauptberuf fast durchgängig Studierende, rückte angesichts der intensiven Ausdruckskraft dieses Ensembles immer wieder in den Hintergrund. Sicher gab es bei den Blechbläsern hier und da mal einen etwas wackligen Ton, sicher ließe sich auch an der Textverständlichkeit der Choristen etwas verbessern, wenn etwa statt „Wo ist dein Sieg“ nur „Wo is dann sie“ zu verstehen war. Doch das sind Nebensächlichkeiten.

Denn Sängerinnen und Sänger wie auch die Orchestermusiker waren hochkonzentriert bei der Sache, waren meist erstaunlich intonationssicher, formten weite Spannungsbögen. Die brachen auch dann nicht, wenn Dirigent Helm seine Tempi prinzipiell eher ruhig nahm. Was wiederum dem tatsächlich betont raschen Vivace im sechsten Satz eine besonders große Kontrastwirkung verlieh.

Was an dieser Aufführung besonders zu gefallen vermochte, war die Geschlossenheit des Chorklangs, der helle Glanz der auch in hohen Lagen unangestrengten Sopranstimmen (dem die hohen Männerstimmen allerdings mangels Masse nicht gleichkommen konnten) und die Pianokultur der Vokalisten. Davon könnte sich das manchmal etwas handfest musizierende Orchester eine Scheibe abschneiden.

Zwei junge Solisten ergänzten das Ensemble: die aus Göttingen stammende Sopranistin Theresa Sommer, die sich in ihrem kraftvoll gesungenen Solo bald von anfänglichen Spannungen freimachen konnte, und der aus Lothringen stammende Bassist Jean-Christophe Fillol mit seiner eindrucksvoll resonanzreichen Stimme, die auch in höheren Lagen an Stärke nicht verliert.

Am Ende gab es lang anhaltenden, begeisterten Beifall. Und zwar nicht nur vom Publikum, sondern auch im Orchester, als Helm einzelne Instrumentengruppen aufstehen ließ, die von ihren Kolleginnen und Kollegen geradezu frenetisch gefeiert wurden. So etwas gibt es zwar auch unter Profis – doch selten so ungehemmt fröhlich wie in diesem großen Ensemble von Liebhabermusikern.

Zweite Aufführung

Eine zweite Aufführung des Brahms-Requiems mit dem Universitätschor und -orchester ist am Sonntag, 28. Januar, um 20 Uhr in der St.-Jacobi-Kirche angesetzt.

Von Michael Schäfer

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