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Regional Christian Friedel: Babylon Berlin und Musik
Nachrichten Kultur Regional Christian Friedel: Babylon Berlin und Musik
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19:58 09.11.2018
Christian Friedel steht ab Sonntag wieder für Babylon Berlin vor der Kamera. In Göttingen inszeniert er "Schwanengesang", mit seiner Band hat er ein neues Album aufgenommen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

In Babylon Berlin ist er zurzeit als Polizeifotograf Gräf zu sehen. In Göttingen läuft sein Theaterstück „Schwanengesang” am Deutschen Theater. Jetzt ist auch noch ein neues Album seiner Band Woods of Birnam erschienen, im Januar geht er damit auf Tour: Christian Friedel ist ein künstlerisches Multitalent. Im Tageblatt-Interview verrät der 39-Jährige, was er nicht kann.

Tageblatt: Babylon Berlin: An der Serie kommt ja zurzeit niemand vorbei.

Friedel: Ich darf zwar noch nichts verraten, aber ein bisschen natürlich doch. Wir haben gerade mit den Dreharbeiten zur neuen Staffel begonnen, ich habe am Sonntag meinen ersten Drehtag. Die Drehzeit läuft bis Mai, zwölf neue Folgen werden gedreht. Das ist schon eine Menge Holz, und der logistische Aufwand dahinter ist schon beispiellos. Es ist einfach großartig dabei zu sein. Babylon Berlin hat derzeit einen unglaublichen Hype. Ich werde so oft auf diese Serie angesprochen. Das ist wirklich Wahnsinn.

Das rote Kleid aus Babylon Berlin

Es ist ja auch im deutschen Fernsehen extrem selten, dass eigentlich alle Zuschauer von einer Serie begeistert sind. Übrigens: Ich fand, das rote Kleid, das Sie einmal in der ersten Staffel trugen, stand Ihnen nicht.

Oh, oh. Wer weiß, vielleicht taucht es ja in den neuen Staffeln noch einmal auf. Man konnte sich ja früher nicht so viele Kleider leisten. Wer weiß, wer weiß.... Die Geschichte von meiner Figur wird auf jeden Fall in den nächsten Staffeln weiter erzählt, sie bekommt noch einmal eine ganz andere Bühne und der Zuschauer erfährt sehr viel über die Figur.

War der Gräf Ihre Wunschrolle?

Ehrlich gesagt war ich einfach glücklich in den ersten Staffeln dabei zu sein. Zum einen weil ich das Projekt spannend fand, zum anderen bin ich ein großer Fan von Regisseur Tom Tykwer - schon immer gewesen, seit „Lola rennt“. Ich hätte auch irgendeinen Wutzen im Hintergrund gespielt.

Den was?

Eine Kollegin, mit der ich im Film „Das weiße Band“ spielte, sagte mal, dass sie auch einen Stuhl gespielt hätte, um dabei zu sein. Wutzen, das ist eine Wortschöpfung – vielleicht stammt das aus Magdeburger Kinderzeiten.

Der Gräf ist aber doch keine unwesentliche Figur?

Ja, aber in den ersten Folgen ist die Erzählstruktur so komplex, dass man nicht auf jede einzelne Figur eingehen kann. Umso mehr freue ich mich, dass es in der nächsten Staffel mehr in die Tiefe geht. Es gibt einen tollen neuen Fall im zweiten Buch, das wir jetzt gerade drehen. Viele Geschichten gehen weiter. Es wird spannend.

Christian Friedel baut auch Schränke auf

Sie schreiben und texten, singen, inszenieren Theaterstücke in Göttingen und sind einer der gefragtesten deutschen Schauspieler derzeit. Was können Sie eigentlich nicht?

Ähm. Ach, da gibt es bestimmt etwas (lacht). Obwohl: Ich habe neulich auch einen Schrank zusammengebaut. Aber das, was ich jetzt mache, ist etwas, das ich seit meiner Kindheit immer wieder gemacht habe. Ich hatte einfach nie Angst, etwas Neues auszuprobieren.

Das neue Album Ihrer Band Woods of Birnam ist gerade frisch auf den Markt. Worum geht es?

Das ist bereits unser drittes Album, im Januar sind wir damit auf Tour, unter anderem spielen wir in Erfurt und Hannover. Es ist ein sehr persönlich geprägtes Album, denn ich verarbeite darauf den frühen Tod meiner Mutter. Das mache ich indirekt ja auch in der Inszenierung des „Schwanengesangs“. Da ich leider schon meine beiden Eltern - beide sehr früh und sehr plötzlich - verloren habe, ist das natürlich ein Thema, das mich sehr bewegt. Das Album ist aber dennoch weder total düster noch traurig. Es ist sogar tanzbar. Die Reibung war uns wichtig.

Die Musik klingt ein wenig nach New Order. Sind Sie nicht eigentlich zu jung zu die 80-er Jahre?

Das stimmt, die Musik klingt sehr nach 80s. Wir wollten uns als Band mit unseren ersten musikalischen Einflüssen auseinandersetzen, und die liegen in den 80ern und 90ern. Auch wenn ich noch sehr jung war, die 80er sind ein Jahrzehnt, das viele Künstler inspiriert hat. Die 80er waren bunt, es gab tolle Songs.

Der Musiker, der auch Roxette hört

Was waren denn Ihre frühe Pop-Prägungen? Sie sind ja im Osten, in Magdeburg, aufgewachsen.

Naja, als kleines Kind habe ich auch Modern Talking gehört. Als sich mein Musikgeschmack dann zum Glück weiterentwickelt hat, dann kamen beispielsweise die Pet Shop Boys dazu, ich habe Blue Monday von New Order entdeckt. Ich war auch ein großer Roxette-Fan. Das hat mich sehr geprägt. Ich merke das immer wieder beim Songschreiben und dann, wenn ich die alten Alben hören.

Und wieso sind Sie dann Schauspieler geworden?

Ich habe eigentlich von Beginn an beides gemacht, Schauspiel und Musik. Ich sehe mich vor allem als Unterhalter. Deswegen ist es für mich selbstverständlich, beides zu machen.  

Wann kam Woods of Birnam ins Spiel?

Ich habe seit sieben Jahren diese tolle Band. Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen, professionell Musik zu machen. Wie sind zu fünft, vier Musiker haben zuvor in einer anderen Band gespielt - Polarkreis 18. Sie hatten vor zehn Jahren den Nummer-Eins-Hit „Allein, Allein“.

Woods of Birnam

Schreiben Sie alle Texte und Songs selbst?

Die Songs schreibe ich überwiegend mit meinem Gitarristen zusammen, aber auch mal alleine. Die Texte habe ich mit Hilfe eines Native Speakers, dem Singer-Songwriter Duncan Townsend verfasst. Ich habe ihm die Geschichten hinter den Songs erzählt, Skizzen mitgebracht und dann entstanden daraus die Texte. Ich wollte die Texte ja persönlich halten.

Schwanengesang im Deutschen Theater

Danke fürs englisch Singen, das ist ja in Deutschland ja kaum noch angesagt.

Viele Plattenfirmen haben uns geraten, auf deutsch zu singen. Ich bin mit englischsprachiger Popmusik aufgewachsen und der Sound der Sprache ist ein anderer. Unsere Musik wäre stark verändert, wenn ich auf deutsch singen würde.

Christian Friedel: Babylon Berlin, Woods of Birnam und Deutsches Theater

 

Am Sonnabend ist wieder Vorstellung des „Schwanengesang“. Nach der gefeierten Premiere: Wie läuft es?

Ich war kürzlich wieder im Deutschen Theater, um zu schauen, wie die Leute es im normalen Repertoire annehmen. Im Zuschauergespräch habe ich erfahren, welche großartigen Reaktionen auf diesen Abend kommen: Nicht nur der Bilderrausch hat viele beeindruckt, auch inhaltlich finden die Gäste darin ihre eigenen Geschichten. Das ist die große Kraft dieses Abends.  

Und was sagen die Kollegen?

Ich bin ja sehr perfektionistisch veranlagt, was die Schauspieler sicher manchmal nervt. Aber das Stück ist so gebaut, dass die Schauspieler zwar präzise singen, tanzen und spielen, aber in dieser Struktur auch viel Spaß entwickeln können. Das Gesamtkonstrukt reift aus der Gruppe heraus weiter. Nach der Premiere waren wir alle in einem Rausch, dann kommt das normale Leben wieder. Dann ist es wichtig, sich dieser Energie des Anfangs wieder zu vergewissern. Solch ein Abend wächst ja auch mit der Zeit. Was mich sehr berührt hat, ist, dass das Team, auch die Kollegen hinter der Bühne, den Abend gerne spielen und mit großer Lust verteidigen.  

Man sollte sich einfach auf etwas einlassen, das gilt dann gleichermaßen für den Schwanengesang, für Ihre Songs und auch für Babylon Berlin?

Ja, man muss meine persönliche Geschichte nicht kennen, um die Songs von Woods of Birnam zu mögen, man muss auch nicht jeden Handlungsstrang von Babylon Berlin durchschauen, um Freude daran zu haben. Die Kraft, die von einem guten Song, Theaterstück oder einer Serie ausgeht, die ist es, die uns mitnimmt.

Die Tour von Woods of Birnam startet am 4. Januar in Erfurt, am 12. Januar spielen sie in Hannover im Lux. Das Stück „Schwanengesang“ steht am Sonnabend, 10. November, um 19.45 Uhr im Deutschen Theater auf dem Spielplan. Es gibt noch Karten.

Von Britta Bielefeld

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