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Regional Das Sprengel-Museum würdigt Emil Cimiotti
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00:18 21.08.2017
Cimiottis Papierreliefs im Sprengel-Museum. Quelle: Kutter
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Hannover

In diesen Werken mag man sich auf wildbewegten Wasserwellen wähnen, zwischen Fasern schlanken Schilfrohrs oder vor Wuchsspuren wuchtiger Bäume – obwohl Emil Cimiotti, der Schöpfer solcher Eindrücke, weder Wellen noch Schilf noch Holz nachbildet. Zu sehen sind seine Arbeiten jetzt in einer Ausstellung des Sprengel-Museums, die auch für viele, die Cimiottis Werk seit Langem zu kennen glauben, Überraschungen bereithält. Denn gezeigt werden fast durchweg Werke aus den jüngsten Jahren – und in ihnen kombiniert der Künstler in ganz neuer Weise Leichtigkeit und Gewicht.

Einem großen Publikum bekannt geworden ist Cimiotti, der 1927 in Göttingen geboren wurde und morgen seinen 90. Geburtstag feiert, durch seine Brunnenbauten. In Hannover beispielsweise stammen von ihm der 1976 errichtete Ständehausbrunnen am Kröpcke und auch die zehn Jahre später entstandene Brunnenplastik in der Baringstraße. Da war Cimiotti längst ein etablierter Künstler, hatte an mehreren Documenta-Schauen und Venedig-Biennalen teilgenommen und an der HBK Braunschweig, deren Gründungsmitglied er 1963 war, mehrere Generationen von Studierenden ausgebildet.

Die Eigenheit des Materials

Den Kästchendenkern unter Kunsthistorikern gilt er bis heute als Vertreter des Informel. Das ist jene Strömung abstrakter Kunst, die im (West-)Europa der Nachkriegsjahre als Pendant zum Abstrakten Expressionismus von US-Künstlern gefeiert wurde. Emil Cimiotti, ein Abstrakter? Wer die Blättermotive seiner Brunnen sieht, kann schon ahnen, wie fragwürdig dieses Etikett passt. „Cimiotti fühlte sich da immer falsch eingeordnet“, sagt Christa Lichtenstern, die die Kabinettsausstellung im Untergeschoss des Sprengel-Museums gemeinsam mit dessen Direktor Reinhard Spieler kuratiert hat.

Denn der Künstler arbeitet durchaus abbildlich. Doch im Zentrum seines Interesses stehen nicht die äußeren Formen von Wellen, Schilf oder Holz. Er bildet vielmehr die Regeln ab, nach denen die belebte oder unbelebte Natur ihre Formen entwickelt, wenn man auf sie einwirkt. Dabei geht er von den Gesetzmäßigkeiten des Materials aus. Das lässt sich anhand des rund 300 Arbeiten umfassenden Konvoluts seiner Papierreliefs, von denen nun 15 im Sprengel-Museum zu sehen sind, besonders deutlich erkennen. „Er rollt oder walzt, presst oder knautscht das Papier“, sagt die Kuratorin Lichtenstern.

Kunst mit Durchblick

Je nachdem, welche dieser Techniken und welches Material Cimiotti dabei anwendet, variieren die künstlerischen Ergebnisse. So entstehen scharfe Falze oder weiche Krümmungen, Wellen- oder Maserungsmuster. Und weil Cimiotti teils auch Transparentpapier einsetzt, scheinen tieferliegende Farbschichten durch, was seinen Reliefs zusätzliche Tiefe und Farbigkeit verleiht. Kunst mit Durchblick also.

Ein durchaus überraschender Schwenk von Metall zu Papier in der jüngeren Werkphase des Künstlers? Immerhin galt Cimiotti ursprünglich zunächst aufgrund seiner schweren Bronzearbeiten als „einer der Großen der Bildhauerzunft“, wie Mitkurator Spieler bei der Präsentation der Cimiotti-Schau formuliert. Nach dem Urteil von Christa Lichtenstern, die an den Universitäten Marburg und Saarbrücken Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Bildhauerei gelehrt hat, die Cimiottis Werk seit Jahrzehnten beobachtet und seit 2012 auch mehrere Cimiotti-Ausstellungen begleitet hat, liegt in diesem Wechsel von Metall zu Papier kein biografischer Bruch. Schließlich seien auch seine Bronzeskulpturen keine geschlossenen Kolosse, sondern transparente, durchbrochene Arbeiten. „Da geht es ums Material im Raum, da werden keine schweren Volumina vorgegaukelt.“

Wer daran zweifelt, kann sich in dieser Ausstellung noch zwei Bronzeskulpturen des Künstlers aus den Neunzigerjahren anschauen – den durchbrochenen „Continboden“ und die ebenso offene „Pyramide“ von 1991. Bei beiden spürt man das Gewicht. Und dennoch wirken diese Metallarbeiten zugleich ebenso transparent wie leicht.

Ausstellungen zu Cimiottis 90. Geburtstag

Göttingen: Kunstverein und Künstlerhaus, Gotmarstraße 3 (bis 3. September); Berlin: Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25 (19. November bis 14. Januar 2018); Neu-Ulm: Edwin-Scharff-Museum, Petrusplatz 4 (23. Februar bis 21. Mai 2018.

Von Daniel Alexander Schacht

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