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Regional Peymann zu Gast im Jungen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Peymann zu Gast im Jungen Theater Göttingen
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00:26 12.04.2018
JT-Intendant Nico Dietrich (links) und Claus Peymann. Quelle: Schäfer
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Göttingen

„Karol“ und „Auf hoher See“ hießen die Mrozek-Einakter. Auf einem Foto in der Festschrift zum 15-jährigen Bestehen des JT sind drei Darsteller dieser Inszenierung zu sehen: Jörg-Peter Falkenstein, Michael Uhden und Siegmar Franz. Falkenstein und Uhden leben nicht mehr, Franz hat seine Schauspielerkarriere längst beendet.

Peymann, Jahrgang 1937, war damals ein unbekannter junger Regisseur, der sich seine ersten Sporen während seines Germanistikstudiums am Universitätstheater Hamburg verdient hatte. Sein Aufstieg begann 1966, als er Oberspielleiter des Frankfurter Theaters am Turm wurde und dort in dieser Zeit unter anderem die Uraufführung von Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ inszenierte.

80 Uraufführungen inszeniert

Nach einem kurzen Zwischenspiel an der Berliner Schaubühne wurde er 1974 Schauspieldirektor in Stuttgart, 1979 Intendant des Bochumer Schauspielhauses und von 1988 bis 1999 Direktor des Wiener Burgtheaters. Seine letzte Führungsposition übernahm er 1999 als Intendant des Berliner Theaters im Schiffbauerdamm, das er bis 2017 geleitet hat.

An diesen Wirkungsstätten profilierte sich Peymann mehr und mehr. Er hat nach eigenem Bekunden ungefähr 80 Uraufführungen inszeniert, unter anderem Stücke von Thomas Bernhard, Peter Handke, Elfriede Jelinek und Peter Turrini. Bernhards „Heldenplatz“, uraufgeführt 1988 am Wiener Burgtheater, löste einen Skandal ohnegleichen aus: Der Vorwurf, auch nach 1945 sei ein latenter Antisemitismus in Österreich weit verbreitet, wurde nicht gern gehört.

„Ich bin wirkungsvoll“

In Göttingen las Peymann aus dem Roman „Holzfällen. Eine Erregung“ von Thomas Bernhard und unterhielt sich anschließend mit dem JT-Intendanten Nico Dietrich über Fragen des Theaters und der Politik. Wobei Dietrich lediglich einige Stichworte gab: Peymann ist ein glänzender Selbstdarsteller, dem die Sprache auch ohne Zwischenfragen nirgends versiegt. Unverhohlen selbstbewusst sagt er: „Ich bin beredt, bin wirkungsvoll.“

Manche der Statements hat er auch anderenorts formuliert, beispielsweise sein Bekenntnis, ein politischer Mensch zu sein: „Ich bin ja nicht 1937 geboren. Da bin ich als Claus Peymann in Bremen geboren. Geboren bin ich 1968.“ Das hatte er bereits in einem Fernsehinterview im Februar gesagt und wiederholte es nun in Göttingen.

Peymann: „Theater ist immer dagegen.“

Theater, so Peymann, sei immer politisch: „Theater ist immer dagegen. Es gibt kein Theater, das für das Bestehende ist.“ Und: „Theater ist subversiv, ist immer gegen die Unterdrücker.“ So seien die Theater in der DDR „in den härtesten Zeiten der Ulbrecht- und Honecker-Diktatur“ am stärksten gewesen. Und wenn zur Nazizeit im Berliner Theater am Gendarmenmarkt Schillers Satz „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit“ mit zweiminütigem Applaus bedacht wurde, sei das eine politische Demonstration gewesen. „Es gibt kein staatserhaltendes Theater.“

„Theater ist konkret“

Außerdem spiele das Theater in der Gesellschaft eine andere Rolle als die anderen Künste. „Ein Roman kann toll sein. Aber der Autor teilt es dem einzelnen Leser mit. Theater: Da sind tausend Leute zusammen, das ist etwas anderes.“ So etwas geschehe sicher auch in der Musik, die von vielen Menschen gleichzeitig gehört werde. „Da gibt es Momente, in denen alles schön ist, ja heilig ist – doch das bleibt aber abstrakt. Theater aber benennt, ist konkret.“

Für die heutige Theaterszene hat Peymann nicht viel übrig. „Intendanten sind Funktionäre geworden“, klagt er. Und die Theaterkritiker schwankten nur noch „zwischen Resignation und Zynismus“. „Den Traum von der Veränderung der Welt durch die Kunst gibt es nicht mehr. Auch nicht mehr den Mut zu sagen: Das wollen wir nicht.“ Doch er werde weitermachen: „Ich will inszenieren, solange ich kann.“ Molière ist für ihn Vorbild: „Der ist auf der Bühne gestorben. Das will ich auch. Aber nicht in Göttingen.“ Tatsächlich: Den warmen Schlussapplaus konnte Peymann lebend entgegennehmen.

Von Michael Schäfer

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