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Comedian Bülent Ceylan mit „Wilde Kreatürken“ in der Göttinger Lokhalle

„Ein bisschen schizotürk“ Comedian Bülent Ceylan mit „Wilde Kreatürken“ in der Göttinger Lokhalle

Dröhnende Beats, flackernde Lichteffekte und eine ganze Menge Headbanging. Was wie ein Konzert einer Heavy Metal-Band beginnt, ist die grandiose Bühnenshow des Comedian Bülent Ceylan. Ja, er sei Metal-Fan und nein, das bedeute nicht, dass er bei der IG Metall sei. Er schlüpfe einfach gern in ganz unterschiedliche Rollen, sei „ein bisschen schizotürk“.  Durch seinen deutsch-türkischen Hintergrund vereint er bereits verschiedene Identitäten in sich.

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Heavy Metal-Fan Bülent Ceylan: im Hauptjob Comedian und am Sonnabend auf der „Lokomotivhallen“-Bühne.

Quelle: Heller

Göttingen. Doch dessen nicht genug: Mit seinem Programm „Wilde Kreatürken“ zeigt er mal wieder in Göttingen ganz andere Charaktere, die alle etwas eigen sind. Anneliese im Leoparden-Look, Halbyeti Günther mit Ganzkörper-Haarpracht, Harald, Hassan und Mompfreed zaubert er auf die Bühne. Der 37-Jährige bedient sich an den Käfigen, die hinter ihm stehen und haucht den darin bereitliegenden Verkleidungen Leben ein. „Sie lachen jetzt“, sagt er, „aber wenn Sie hier rausgehen, sind Sie genauso krank. Sie sind schon infiziert“. Seine Show sei für ihn eine Art Therapie. Im Endeffekt seien alle Komiker krank, „schizo“, so wie er. Deshalb sei es gut, dass er im Scheinwerferlicht mal alles rauslassen könne.

Ausverkaufte Halle

Der mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnete Mannheimer füllt mit seinen Shows die Hallen der Republik. Auch die Lokhalle war am Sonnabend ausverkauft. Von seinen Witzen bleibt niemand verschont. Weil er selbst „halb getürkt“ sei, könne er sich auch über alle Anderen lustig machen. Das sei nicht diskriminierend. Im Gegenteil: Vor einiger Zeit habe er sogar eine E-Mail von Juden erhalten, die sich diskriminiert fühlten, weil er sich nicht über sie lustig mache.   „Der Kanake darf das“ , lacht er und das Publikum grölt mit. Das einzige, was gar nicht gehe, und das passiere ihm im Süden Deutschlands oft, dass man ihn „Kanakle“ oder „Türkle“ nenne. Da höre der Spaß nun wirklich auf.

Oxford-Deutsch

Auf der großen „Lokomotivhallen“-Bühne, wie Ceylan nicht müde wird die Lokalität zu bezeichnen, hat der Spaß gerade erst begonnen. Welche Nationen anwesend sind, will der Komiker wissen, dann bekommen alle ihr Fett weg. Auch vor den Niedersachsen macht er nicht halt: „Für uns ist das, was ihr hier redet Oxford-Deutsch“. Will er den Hochdeutschen mimen, verzieht er das Gesicht, faltet die Hände im Schoß und reckt die Nase in die Luft. Es ist eine liebenswerte Art der Verständigung zwischen den „Kulturen“, weil alle mal Zielscheibe sind und trotzdem gemeinsam  gelacht wird.

Das Gelächter nimmt an diesem Abend kein Ende. In der dritten Reihe sitzt eine Frau, die sirenenartig kreischend losprustet, bevor Bülent Ceylan überhaupt was sagt: „Die hier vorne ist der Hammer. Hier in Göttingen brauche ich gar kein Programm , habe ich das Gefühl“,  bezieht er sie in seine Show mit ein. Generell ist er sehr zuschauerorientiert, was den Göttingern gut gefällt.

Fotos aus dem „Familienalbum“

Er verspricht denen, die für seine Witze herhalten mussten gratis T-Shirts , streift vor der Zugabe durch die Sitzreihen und begrüßt seine Fans mit Handschlag und animiert das Publikum zu einer La-Ola-Welle. Sogar Fotos aus dem „Familienalbum“ hat Ceylan für die Gäste mitgebracht. 2011 trat er beim Wacken Open Air Festival auf. Da, wo sonst nur Musik gespielt wird, stand er neben Ozzy Osbourne auf dem Podium und begeisterte mit seinen Sprüchen die Metal-Fans. Den Stolz in seiner Stimme kann man bei dieser Geschichte nicht überhören. Neben Comedy hat er eine weitere große Leidenschaft und deshalb endet das Spektakel auch wieder so lautstark, wie es begann. Feuerfontänen speien Flammen in die Luft, Glitzer fliegt und Ceylan lässt im Takt der Musik seine Mähne über die Köpfe der Zuschauer hinweg sausen.

Von Sarah Lodder

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Diesmal ist es ein ausverkauftes Haus: Der deutsch-türkische Comedian Bülent Ceylan ist am Sonnabend in der Göttinger Stadthalle aufgetreten. Es war nicht sein erster Besuch in Göttingen. „Ich habe hier schon vor zwölf Zuschauern gastiert.“ Diese Zeiten sind vorbei. Figuren wie Hausmeister Mompfred oder der Macho-Türke Hassan haben ihn weit über seine Heimatregion Mannheim bekannt gemacht.

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