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Regional Chris Tall spricht über Papa und Toleranz
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00:26 11.04.2018
Comedian Chris Tall bei seinem Auftritt in der Lokhalle. Quelle: Schneemann
Göttingen

Mit einer Mischung aus spontaner Stand-Up-Comedy und tiefgründigen Weisheiten hat Chris Tall am Sonnabend das Publikum in der ausverkauften Lokhalle in Göttingen unterhalten. „Darf er das“? stand provokant auf seinem T-Shirt. Die Antwort gab er mit seinem Programm selbst.

Knüpfte sich der Comedian während seiner vergangenen Tournee „Selfie von Mutti“ seine Mama vor, so war dieses Mal der Vater dran. Tall machte mit Anekdoten deutlich, wie die Generationen in Zeiten der digitalen Revolution auseinanderdriften. Immer wieder nahm er die Schwächen seines alten Herrn aufs Korn, insbesondere wenn er sich einer vermeintlichen Jugendsprache bedienen wolle. So habe er die weibliche Fans seines Sohnes schon mal als „Chucks“ betitelt oder mit dem vermeintlich hippen Gruß „Whats Appiiie? die Tür geöffnet.

Vater liefert Chris Tall die Vorlage für spitze Bemerkungen

Das Alter des Vaters lieferte auch noch die Vorlage für andere spitze Bemerkungen. So erfuhren die Zuschauer, wie Ü-50-Partys auch genannt werden: Schrottwichteln. „Irgendetwas nimmst du mit nach Hause. Und wenn es alte Socken sind.“ Und als er dem Papa mal sein neuestes I-Phone gegeben habe, dessen Gesichtsentsperrung sich im Falle von Tall durch eine Bockwurst austricksen ließ, habe der Vater kurzerhand die Mobile-Dating-App Tinder mit einem Memory-Spiel verwechselt. Ergebnis: Es seien 67 Verabredungen zustande gekommen.

Oft lässt Tall seinen Erzeuger als Stichwortgeber auftauchen für das eigentliche Hauptthema des Abends: Sex oder zumindest den Wunsch danach. Unter Beifall des Publikums berichtet er über Erlebnisse beim Massen-Dating mit sieben Frauen und seine Erfahrungen mit Sofaritzen.

Während des ganzen Abends erwies sich die Plaudertasche als Meister der Interaktion mit dem Publikum. Wer Fragen nach der zuletzt besuchten Kontaktbörse und Lieblingssportart beantwortete oder berichtete, wann und von wem er oder sie aufgeklärt worden sei, wurde ins Rampenlicht gerückt, hatte auf den Videoleinwänden seinen Auftritt und musste sich auch sarkastische Bemerkungen gefallen lassen. An Referenzschauern arbeitete sich der Comedian ab. Zwischenrufe aus dem Publikum beantwortete der 26-Jährige schlagfertig und mit teilweise überraschenden Erwiderungen.

Comedian plädiert für Toleranz und Offenheit

Tall legte bei allem Spaß auch ein Bekenntnis für Toleranz und Offenheit ab. Es sei ihm egal, ob sein Gegenüber ein Deutscher, Türke, Afghane, Russe oder „sonst irgendetwas“ sei, ob er schwarz, weiß oder „ein Simpson“ sei und welche sexuelle Orientierung er habe. Ob mit oder ohne Handicap: Jeder besitze seine Stärken. Rollstuhlfahrer seien keine unbeweglichen Menschen mit Reifenhintergrund.

„Einfach mal über den Tellerrand hinaus schauen, einfach mal die Menschen so nehmen wie sie sind“, sagte er und fügte nach kurzer Pause hinzu: „Das kann doch nicht so schwer sein“. An die Zuschauer appellierte er, sich nicht über Kleinigkeiten wie ein „fehlendes Netz“, einen leeren Akku, Streitigkeiten mit dem Chef oder Alltagsprobleme aufzuregen. „Wir alle, die wir hier sind, haben ein richtig geiles Leben“.

Am Ende machte Tall in einem eher nachdenklichen Beitrag deutlich, dass der Respekt vor den Eltern nie verloren gehe dürfe. „Das Wichtigste ist einfach Familie“, erklärte der Comedian. Er liebe seine Mutter und seinen Vater mit ganzem Herzen. Das Publikum würdigte den zweistündigen Auftritt des Künstlers mit stehenden Ovationen.

Von Axel Artmann

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