Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Veitstanz zur Götterdämmerung
Nachrichten Kultur Regional Veitstanz zur Götterdämmerung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:46 12.10.2018
Kernige Typen: Wim, Norri der Drescher und Castus Rabensang Corvus Corax in der Göttinger Musa Quelle: Jörg Linnhoff
Göttingen

Die 1989 gegründete ostdeutsche Band Corvus Corax, auch bekannt unter dem Namen Könige der Spielleute, hat ihre mittelalterliche Musik inzwischen rund um den Erdball getragen. Mit traditionellen Instrumenten und entsprechenden Kostümen lud sie das Publikum in der Musa zum ausgelassenen Veitstanz.

Musik auf selbstgebauten Instrumenten

„Corvus corax“ lautet der wissenschaftliche Name für den Kolkraben. Die Band hat diese Bezeichnung gewählt, weil sie bei ihrer Flucht aus der DDR 1989 über Ungarn einen Kolkraben zurücklassen musste. Gegründet wurde die Band von Castus Rabensang und Wim Dobbrisch, der gelernter Instrumentenbauer ist und einen Teil der im Konzert verwendeten Instrumente gebaut hat.

Ihr Crossover aus historischer Musik und modernen Fantasy-Elementen ist weltweit gefragt. Die Band wird auch regelmäßig zu Mittelaltermärkten gebucht. 1994 sind sie beim Karneval in Venedig und 2017 auf dem Wacken Open Air aufgetreten. Zur ersten Staffel der Dreharbeiten zur TV-Serie „Game Of Thrones“ wurden sie eingeladen, mussten jedoch wegen einer gebuchten Deutschlandtour absagen, nicht ahnend, dass die Serie einmal so erfolgreich werden würde.

Bilder vom Konzert in Göttingen

Schon der Bühnenaufbau in der Musa imponiert. Flankiert von großen Bannern und zwei riesigen hängenden Rahmentrommeln stehen dort neben Dudelsäcken zahlreiche andere mittelalterliche Instrumente wie Drehleier, Schalmei, Bombarde, Cister, Trumscheit, Zink oder eine Bass-Citole.

Sieben kernige Kerle mit Dudelsack und Trommeln

Zu Vogelgezwitscher und bedrohlich anmutenden Klängen betreten sieben kernige Typen in mittelalterlichen Gewändern die in farbig mystisches Licht getauchte Bühne. „Skál“ heißt ihr neustes Werk, das mit „Yggdrasill“ mal gleich richtig losmarschiert. Eindringliche Dudelsack-Klänge, begleitet von mächtigen Trommeln und Castus rauem kernigen Gesang, ziehen die Besucher umgehend in die magisch berauschende Welt der Spielleute und Tavernen des Mittelalters. Mit ihrem unverwechselbaren Dudelsack-Sound zu treibenden Rhythmen auf riesigen Trommeln lassen Corvus Corax die nordischen Traditionen der Götter und Wikinger aufleben und tauchen tief in deren althergebrachte Mythen und Sagen.

Stück aus „Carmina Burana“

Bevor Castus mit kräftiger Stimme ein Stück aus der frühmittelalterlichen Liedersammlung „Carmina Burana“ anstimmt, werden zwei Freiwillige gesucht, die bereit sind, sich dem germanischen Göttervater Odin zu opfern. In dem bedrohlich mystischen „Hugin ok Munin“ geht es um Odins Raben, die ihm auf ihren Botenflügen über das Weltgeschehen berichten.

Tanz und Trunk

„Pfeifsack (Dudelsack) spielt man, wenn die Leute sich langweilen. Dann kommen die Spielleute, und ab die Post“, ruft Castus aus. „Her Wirt“ fordert mit Glockenklang zum Saufen auf und nimmt, angetrieben von den über Allem thronenden Schlagwerkern Norri und Hatz, ein höllisches Tempo auf. Die Hände der Besucher wiegen sich im Takt und die Stimmung in der Taverne kocht. „Sauf noch ein“ oder „Hol Bier herbei“ sind Hymnen und weitere Aufforderungen zu Tanz und Trunk zugleich. Dazu schenken sie aus einem großen Holzkübel Bier aus, das über einen Trichter und daran hängendem Schlauch direkt in die Schlunde der durstigen Besucher geführt wird.

Soundtrack zum Ende der Welt

Mit dramatischen Chorälen kündigt „Ragnarök“ das Ende der Welt und traditionell auch das Ende ihrer mitreißenden Show an. Aber sie haben ihr Konzept geändert und jagen mit „Skál“ noch den Titelsong ihres aktuellen Albums hinterher, der, wie ein einziger Schlachtruf klingend, mächtig losrumpelt und in ein orgiastisches Fest ausartet. Dem wird mit dem Thema zu „Game Of Throwns“ noch die passende Krone aufgesetzt.

Infos zu den nächsten Veranstaltungen in der Musa gibt es hier.

Von Jörg Linnhoff

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sehr viel Beifall haben die Schauspieler und das Regieteam für die Produktion „Alles was Sie wollen“ bekommen. Premiere war am Donnerstag auf der Kellerbühne des Deutschen Theaters.

15.10.2018

Der Göttinger Literaturherbst startet. Wie in den beiden Vorjahren seien auch dieses Mal 70 Veranstaltungen geplant, sagte Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold. Damit bleibe das größte Lesefestival Niedersachsens.

12.10.2018

Antje Thoms ist Regisseurin am Deutschen Theater Göttingen. Mit einer Petition will sie höhere Landesförderung für Theater und Orchester erreichen. 5000 Unterschriften braucht sie, fast 8000 hat sie.

12.10.2018