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Regional Uraufführung im Deutschen Theater: „Ich habe Bryan Adams geschreddert“
Nachrichten Kultur Regional Uraufführung im Deutschen Theater: „Ich habe Bryan Adams geschreddert“
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20:16 23.02.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Zwischen Grauen und Komödie: Sommersonnenwendparty mit Benjamin Krüger, Imme Beccard, Marie-Thérèse Fontheim, Andreas Daniel Müller, Marie-Kristien Heger und Michael Meichßner (von links). Quelle: Müller
Göttingen

Abteilungsleiter Frank Peukert (Michael Meichßner) hat sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Tanja (Imme Beccard) eine Teambuilding-Maßnahme ausgedacht. Eine Sommersonnenwend­­party soll das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter stärken.

„Ich habe Bryan Adams geschreddert“ hat der Autor Oliver Bukowski dieses Stück genannt, das am Sonnabend im Deutschen Theater uraufgeführt wurde. Ein sarkastisches Werk über eine sich verändernde Arbeitswelt und die Angst, in ihr keinen Platz mehr zu haben. Regie führte der prominente Komödiant Michael Kessler.

Bukowski hat bei dieser Konstellation Typen gezeichnet, die sich dicht am Stereotyp tummeln. Chef Peukert bemüht sich um Jovialität, wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Seine Ehefrau wird vor allem als Gattin wahr- und deswegen auch nicht so ernst genommen.

Patrick Lange (Benjamin Krüger) ist der aufstrebende Macher, der selbst Chef werden will, seine Frau (Marie-Thérèse Fontheim) trinkt und wird dann leicht fatalistisch. Beide fetzen sich gerne. Paula Röder (Marie-Kristien Heger) flirtet mit Vergnügen und hat ihren neuen Begleiter mitgebracht, den Fluglotsen Sascha.

Wie erwartet

Der Peukert-Sohn Jannik (Luan Seidel) pubertiert heftig, so wäre das früher interpretiert worden. Heute steht er für den neuen Nachwuchs, der die Welt über Smartphone und Tablet kennen- und zu bewältigen lernt und deswegen anders ist. Und über allen schwebt Christopher. Den hat Peukert kürzlich gefeuert, aber auch zur Party eingeladen.

Der Abend entwickelt sich wie erwartet ­– auch der Theaterabend. Man plänkelt ein wenig, bevor man aufeinander losgeht. Koalitionen werden gebildet, verworfen und neue eingegangen. Jeder wird gedemütigt, beinahe jeder darf demütigen. So sieht das eben aus in der heutigen Arbeitsgesellschaft. Da schwingt viel Klischee mit. Und ein wenig Wahrheit. 

Am interessantesten ist die Figur des Sohnes Jannick. Der gerade volljährige Nörgler entpuppt sich als klarsichtiger Nerd, der irgendwann anfängt, den Älteren den Spiegel vorzuhalten.

Schlanke 90 Minuten

Regisseur Kessler, als Hauptakteur der TV-Comedyserie „Switch reloaded“ mit den Gesetzen des Spaßmachens vertraut, hält seine Inszenierung in einer sauberen Balance zwischen dem zwischenmenschlichen Grauen und den komödiantischen Seiten der Partykommunikation. Er setzt auf präzises Timing und vertraut der Vorlage. Hier kommt auf die Bühne, was im Text steht. Arg flott und abrupt lässt er die Party aus dem Ruder laufen.

Das Ensemble setzt mühelos um, was gefordert ist. Allen Akteuren gelingt es, ihren Figuren eigene Konturen zu geben. Tiefe schaffen vor allem Fontheim als trinkende, in ihrer Schwäche starke Simone Lange, und ­Beccard als Ehefrau und Mutter Tanja Peukert, die so gerne ein Buch veröffentlichen würde. Sie ist es auch, die irgendwann Bryan Adams schreddert.

Schlanke 90 Minuten benötigt das Team bis zum Ende dieser Party. Ein leicht verdauliches Theaterhäppchen.

Weitere Vorstellungen: 26. und 28. Februar sowie am 6., 12. und 17. März um 19.45 Uhr, am 26. März um 20.30 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

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