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DT-Keller: Kauzige Damen morden in „Arsen und Spitzenhäubchen“

Premiere DT-Keller: Kauzige Damen morden in „Arsen und Spitzenhäubchen“

Alle sind irgendwie verrückt hier: Im Haus der älteren Damen Abby und Martha Brewster stapeln sich die Leichen im Keller. Dabei sehen die Tanten so aus, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Dennoch befördern sie in tief empfundener Nächstenliebe mittels vergiftetem Holunderwein einsame ältere Herren ins Jenseits.

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Spielen skurril-liebenswerte Figuren: Karl Miller, Vanessa Czapla, Nadine Nollau, Gerd Zinck, Peter Füllgrabe.

Quelle: Winarsch

Göttingen. Im Theater- und Filmklassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“ wimmelt es aber nur so vor weiteren schrägen Figuren und triefend schwarzem Humor.

Dieses Setting ist ein gefundenes Fressen für eine intime Inszenierung wie sie am Mittwoch im Keller des Deutschen Theaters Premiere feierte. Mark Zurmühle hat sich auf den schmalen Grat zwischen Reinszenierung einer filmischen Ikone und behutsamer Modernisierung gewagt. Wer wagt, gewinnt, kann man in diesem Fall nur sagen.

Denn neben der Nutzung liebenswert bekannten Details aus der Filmfassung mit Cary Grant und Peter Lorre schaffte es Zurmühle, in seiner Inszenierung eigene Akzente zu setzen und einige Figuren zeitgemäßer zu gestalten.

Die eindeutigen Stars im DT-Keller waren am Premierenabend Vanessa Czapla und Nadine Nollau als herrlich kauzige Damen mit dem besonderen Rezept für Holunderwein. Gestik und Mimik waren fantasievoll und pointiert. Charmant, gewitzt, hinterhältig, niedlich und naiv sind die beiden – und das alles zur gleichen Zeit.

Kunterbunte Belegschaft aus „Arsen und Spitzenhäubchen“

Dagegen wirkt ihr Neffe Mortimer (Andreas Daniel Müller) fast ein wenig blass. Im Gegensatz zum charmanten-männlichen Beschützertyp eines Cary Grant in der Filmfassung greift hier aber eine echte Modernisierung des Stücks: Aus Mortimer wird diesmal eher der bloß Reagierende; seine Verlobte Elaine Harper (Marie-Kristien Heger) tritt dagegen viel emanzipierter auf als ihr Filmvorbild.

Sie ist jetzt die höchst elegante 1930er-Jahre-Lady, die ganz genau weiß, was sie will.

Bis in die Nebenrollen – beispielsweise auch Karl Miller als frankensteinesker Bruder Jonathan Brewster – haben Intendant Zurmühle und sein Ensemble das Potential der verrückten, kunterbunten Belegschaft aus „Arsen und Spitzenhäubchen“ erkannt und genutzt. So viele skurril-liebenswerte Figuren auf einmal finden sich auf Theaterbühnen eher selten.

Darauf noch ein letztes Gläschen Wein an einem der Tische im DT-Keller!

Von Isabel Trzeciok

Die nächsten Aufführungstermine: Sonnabend, 23. März, Dienstag, 9., und Sonntag, 21. April. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Keller des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11.
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