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„Da stelle ma uns mal janz dumm …“

„Feuerzangenbowle“ „Da stelle ma uns mal janz dumm …“

Alljährlich wird „Die Feuerzangenbowle“ auf Göttingens Nikolausparty im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität gezeigt. Jetzt hat sich auch das Deutsche Theater (DT) des Filmklassikers nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl angenommen. Die Inszenierung von Nina Pichler hatte am Sonnabend im ausverkauften DT-Keller Premiere. Andrea Strube, Andreas Daniel Müller, Moritz Pliquet und Ronny Thalmeyer geben die Schüler und Lehrer.

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„Ihnen fehlt die sittliche Reife“: Andrea Strube, Ronny Thalmeyer, Moritz Pliquet und Andreas Daniel Müller (von links).

Quelle: Winarsch

Göttingen. Zwei Schulbänke, Tafel und Katheder skizzieren den Klassenraum. Andreas Daniel Müller ist Johannes Pfeiffer, der als Erwachsener noch einmal die Schulbank drückt – „Pfeiffer mit drei f“.

Die Inszenierung setzt vor allem auf den Wiedererkennungswert. Filmdialoge werden unverändert nachgesprochen, die Schüler- und Lehrer-Porträts zitiert. Und das funktioniert sehr gut.

Müller agiert zurückhaltend. Im Vordergrund stehen die Lehrer- und Schüler-Typen. Thalmeyer verkörpert neben Geheimrat Fröbel die gegensätzlichen Lehrer Bommel („Da stelle ma uns mal janz dumm“) und Crey, genannt Schnauz („Sötzen si säch“). Thalmeyer gibt außerdem Musiklehrer Fridolin und  die Frau, die ein Zimmer an Pfeiffer untervermietet. Jeder seiner Auftritte sitzt. Nach seinen Szenen gibt es Applaus.

Das Publikum hat hörbar seinen Spaß und muss mitsingen im Musikunterricht: „Der Frühling liebt das Flötenspiel, und auch auf der Posaune ist er bei guter Laune“. Unweit der Bühne haben Zuschauer auch keine Ruhe: „Ackermann, schreiben Sie ins Klassenbuch“. Die Roman-Figur Dr. Brett, über deren Interpretation im Film Nazipropaganda entsteht, streicht die Bühnenversion.

Pliquet gibt neben dem Justizrat den Mitschüler Luck, das Schulmädchen Inge und den Direktor Knauer. Er stattet seine Figuren mit schönen Details aus – überzeichnet charakteristische Gesten hier und da –  und zeigt sie hervorragend herzerwärmend-niedlich. Die Inge mit roter Schleife besonders – genau wie Strube unter erdrückender rosa Schleife ihre Eva.

Die Kostüme orientieren sich an denen des Films,  setzen aber punktuell auf Komik durch Übertreibung. Strube überzeugt sowohl als verliebt-verlegenes Schulmädchen Eva als auch in der Rolle des Schülers Rosen, der mit Papierkugeln schießt und sich auf der Schulbank fläzt.  Sie setzt hier wie dort erfolgreich vor allem auf Körpersprache und Mimik. Pfeiffers Frau Marion zeigt sie dafür vielleicht eine Spur zu steif-korrekt. In weiteren Nebenrollen tritt sie als Etzel und Oberschulrat auf.

Die Bühnenfassung der „Feuerzangenbowle“ ist temporeich. Sie greift Sequenzen aus dem Film heraus. Durch Musik-Einspieler werden Zäsuren gesetzt. Die Comedian Harmonists größtenteils, aber auch unter anderen die Beatles („Revolution“) und Alice Coopers „School’s out“ verbreiten Leichtigkeit. Die Schauspieler laufen zackig auf die Spielfläche hinunter und nach der Szene wieder backstage hinauf.

Mit verschiedenen Mitteln also wird dem Bühnengeschehen eine Rhythmik verliehen, die beschwingt und von Alltagssorgen befreit.  Strube, Müller, Pliquet und Thalmeyer – energetische und großartig miteinander harmonierende Schauspieler – tragen das Übrige zu einer gelungenen und sehenswerten Fassung der „Feuerzangenbowle“ bei.

Nur für die Aufführung am Mittwoch, 21. November, gibt es noch Karten. Spielbeginn ist im Keller des Deutschen Theaters Göttingen (DT), Theaterplatz 11, um 20 Uhr. Die anderen beiden Aufführungen sind bereits ausverkauft. Karten sind erhältlich unter der Telefonnummer: 05 51 / 49 69 11.

Von Telse Wenzel

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