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„Das Bühnenbild fällt ihm quasi in den Rücken“

Deutsches Theater „Das Bühnenbild fällt ihm quasi in den Rücken“

Thomas Bischoff inszeniert am Deutschen Theater Göttingen „Die Familie Schroffenstein“ von Heinrich von Kleist. Isabelle Krötsch hat dafür ein sehr aufwändiges Bühnenbild entworfen. Derzeit wird im Malersaal und einem eigens dafür angemieteten Raum im Groner Industriegebiet an der Umsetzung gearbeitet.

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Liegend: Kunstwerk von Caspar David Friedrich, in monumentale Größe übertragen.

Quelle: Hinzmann

Der Stoff, der auf dem Fußboden des Malersaales ausgebreitet liegt, ist ehrfurchteinflößend. Das Stück misst acht mal neun Meter und soll zur Premiere des Kleist-Stückes „Die Familie Schroffenstein“ Teil des Bühnenbildes werden. Premiere ist am Sonnabend, 18. April.

Bühnenmalerin Hilke Feldema und die Auszubildende Betty Otto stehen darauf. Beide haben Pinsel an Stäben in der Hand. Sie malen im Stehen Äste auf die Unterlage. Bühnenbildnerin Isabelle Krötsch hat das Motiv entworfen, „zum ersten Mal in der Karriere ein so malerisches Bühnenbild“, sagt die 1974 geborene Künstlerin.

Nach barockem Vorbild hat Krötsch vier große sogenannte Prospekte geplant, dazu Bildausschnitte, die, auf Holz gemalt, immer wieder vom Schnürboden herabgelassen werden können. „Kleist hat das Barock-Theater verlassen, das Bühnenbild fällt ihm quasi in den Rücken“, erläutert Krötsch. Und: „Kleist opulenter Wortwelt stelle ich die opulente Bilderwelt gegenüber.“ Motivisch hat sie sich an Caspar David Friedrich orientiert und einige Werke des großen deutschen Romantikers „zerpflückt, ohne den Meister zu verraten“. Sie hat die Friedrichschen Gemälde nicht immer original übertragen, sondern hier und da „für die Bühne manipuliert“. Zum Beispiel mit der Schere.

So hat Krötsch das Meer aus dem berühmten „Kreidefelsen“-Bild herausgeschnitten, die Theaterbesucher werden später durch den Prospekt hindurchsehen. 

„Malsäle sind meine Lieblingsorte im Theater“, sagt Krötsch, obwohl dort heute gar nicht mehr so viel gemalt werde. Das Göttinger Projekt, das dicht an der klassischen Theatermalerei angesiedelt ist, sei am DT genau richtig aufgehoben, weil hier „sehr motivierte und fähige Maler arbeiten“. Eine von ihnen ist Feldema. Sie schätzt die Ruhe an der Tätigkeit. Man hört den Pinsel, wie er über die Leinwand fährt.“

In einem angemieteten Raum im Groner Industriegebiet malt Krötsch gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Ulrike Städtler an einer weiteren Leinwand, die einen Einblick in die Gemäldegalerie in Dresden zeigt. Darin spielt sie mit Verweisen auf die Kunstgeschichte. Viel ist angedeutet, verschachtelt, verwoben. Für den durchschnittlichen Zuschauer wird später im Bühnenbild davon nicht alles offensichtlich sein, weiß Krötsch. Sie nennt es „mein Privatvergnügen. Fäden, die alle einer kunsthistorische Logik folgen.“  Von Peter Krüger-Lenz

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