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„Das Interview“ hat im Jungen Theater Premiere

Schauspiel „Das Interview“ hat im Jungen Theater Premiere

Pierre, Politik-Redakteur und ehemaliger Kriegsberichterstatter, ist gealtert und zynisch. Jetzt soll er die Soap-­Darstellerin Katja interviewen, obwohl an diesem Abend die Regierung zurücktreten könnte. Unvorbereitet, desinteressiert und verärgert trifft er bei dem erfolgreichen Glamour­sternchen ein.

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Versuchen sich gegenseitig Geheimnisse zu entlocken: Pierre (D. Böther) und Katja (C. Passin).

Quelle: Mahlow

Katja bemerkt das Desinteresse und die Abscheu des Journalisten schnell. So begegnen sich die Medienprofis widerwillig und arrogant. Ein Wortgefecht entwickelt sich, bei dem sich die Akteure immer näher kommen, aber gleichzeitig zu unerbittlichen Feinden werden. „Das Interview“ heißt das Stück, das jetzt im Jungen Theater (JT) Göttingen Premiere hatte.

Das Bühnenbild ist schlicht gehalten. Ein weißer Hintergrund und eine langgezogene Polstergarnitur – mehr braucht die Inszenierung von Regisseurin Julia Wissert nicht. Alles soll sich auf die Auseinandersetzung der beiden Darsteller konzentrieren. Der Dialog ist fließend. Erheiterung, scheinbare Liebe und körperliche Anziehung wechseln schnell zu Beschimpfungen, ordinärer Grausamkeit und brutaler Realität. Ob die Wahrheit ausgesprochen wird, ist in jeglicher Situation fraglich.

Der Zuschauer wird in dem Stück nach dem Filmdrama von Theo van Gogh immer im Unklaren gelassen. Ist ein gerade ausgesprochenes Kompliment nicht doch eine Täuschung? Wird nun tatsächlich die schaurige Wahrheit erzählt? Das Publikum kann sich nie sicher sein. So lachen viele Besucher, als Pierre von unmoralischem „Hurensex“ erzählt, oder Katja auf zermürbende Fragen eingeht und sagt: „Eigentlich bestehe ich nur aus Silikon, Stroh und Luft“. Bei noch brutaleren Geschichten lacht aber niemand mehr. Das Publikum ist betroffen.

Constanze Passin, die Katja spielt, geizt bei ihrer Darbietung des freizügigen Soap-Sternchens nicht mit Reizen. Ein kurzes rotes Kleid, ein tiefer Ausschnitt und laszive Haltungen gehören zur Figur. In den ersten Minuten der Vorstellung scheint sie noch nicht komplett in ihrer Rolle zu sein und wirkt ein wenig unsicher.

Doch mit zunehmender Spieldauer wird sie mehr und mehr zu der intelligenten und durchtriebenen ­Soap-Darstellerin , die weiß, wie sie auf Männer wirkt. Doch kommt Passin nie ganz an die Leistung ihres Schauspielpartners heran.

Dirk Böther stellt den zynischen und verärgerten Journalisten überzeugend dar. Das Publikum zuckt zusammen, als Pierre einen Wutanfall bekommt, und scheint ihm auch das Spiel zwischen alptraumhaften Kriegserzählungen sowie gegenwärtigen Schmerz abzunehmen. Beide Schauspieler agieren gut zusammen.

Es entsteht ein schnelles und abwechslungsreiches Gefecht mit wenigen Requisiten, das den Zuschauer packt und in eine Welt voller Lügen und gegenseitiger Manipulation zieht. Alles erscheint sehr durchdacht . Selbst der Einsatz eines veralteten Kassettengerätes, inmitten neumodischer Handys, erhält schließlich einen Sinn.

Weitere Termine sind

am 22., 24., 26. und 31. Januar

7., 13., 15., 21.und 28. Februar

im Jungen Theater, Hospitalstraße 6 in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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