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00:19 24.05.2013
Bunt auf allen Ebenen: Szene aus „Eine Nacht in Venedig.“ Quelle: Hartmann
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Hannover/Hildesheim

Ernst August der Erste etwa lebte bei seiner zweijährigen Italienreise mit so „fürstlicher Pracht“ – und nicht nur eine Nacht – in Venedig, dass ihm seine Untertanen an der Leine ein Hoftheater bauten, um ihm die preiswerteren Nächte in Hannover attraktiver erscheinen zu lassen.

Die Johann-Strauss-Operette „Eine Nacht in Venedig“ hätte gut in den Spielplan dieser Hofoper gepasst, wurde aber leider 200 Jahre zu spät komponiert.

Das ist nun auch schon wieder 130 Jahre her. Ein bisschen angestaubt ist dieses Liebes- und Maskenspiel des Wiener Walzerkönigs zwar seither, aber es lockt noch immer die Operettenfreunde.

Mit tourneetauglichen Mitteln

Zumal wenn sie einigermaßen sicher sein können, dass ihnen kein vorwitziger Regisseur diesen Staub ins Gesicht blasen wird. Das Gastspiel des Theaters für Niedersachsen (TfN) im hannoverschen Theater am Aegi war zwar nicht ausverkauft, aber recht gut besucht.

Regisseur Wolfgang Quetes und seine Ausstatterin Karin Fritz beließen die Posse im historischen Rahmen und betonten das durch die gestaffelten, bühnenraumgroßen Bilderrahmen, in denen mit tourneetauglichen Mitteln Atmosphäre beschworen wird.

Es gibt also keine aufgesetzten Aktualisierungen: Der Herzog von Urbino bleibt ein durchaus sympathischer Schwerenöter und muss nicht als Berlusconi-Double auftreten. Und Makkaronikoch Pappacoda wird auch nicht zum Fernsehkoch befördert.

Verführung und Versprechen, Täuschung und Enttäuschung

Das Rezept des Regisseurs hieß offenbar: Man vertraue auf die Mechanismen des Verwechslungsspiels, nehme etwas Goldoni-Gaudi, würze mit einer Prise Commedia dell’arte und vertraue darauf, dass die Walzerseligkeit als Sättigungsbeilage alle Erwartungen befriedigt.

Wer sich darauf einlassen will, muss allerdings glauben, dass beim Carnevale di Venezia eine kleine Gesichtsmaske schon genügt, um höchst unterschiedliche Frauenfiguren und Frauenstimmen austauschbar zu machen.

Es geht um Verführung und Versprechen, um Täuschung und Enttäuschung, wenn die Gondeln die falschen Frauen tragen, aber natürlich geht es für (fast) alle gut aus. Und dass der misstrauische Alte am Schluss der Betrogene ist, gehört zum Commedia-Spiel.

Uwe Tobias Hieronimi macht das mit bemerkenswerter Bühnenpräsenz.

Wortwitz des Nudelkochs

Leider sind nicht alle so raumfüllend gut zu vernehmen wie sein Senator Delaqua. Im Theater am Aegi findet das Bühnengeschehen reichlich in der Tiefe statt und schon der Eingangs­chor ist kaum zu verstehen.

Auch vom Wortwitz des Nudelkochs (Jan Kristof Schliep) kommt nicht alles beim Zuschauer an.

Aber wenn die Charmeure ihre Balzgesänge anstimmen, überzeugt Christian S. Malchow als Herzog von Urbino ebenso wie Daniel Jenz als Leibbarbier Caramello, der mit „Steig in die Gondel“ den einen der beiden Hits anstimmen darf.

Schlagobers

Der andere ist Teamwork und funktioniert als „Lagunenwalzer“ nicht nur in Neujahrskonzerten auch ohne die Textzeile „Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die reizenden Fraun“.

Die wurden durch Regine Sturm als resolute Annina, Julia Riemer als kokette Barbara und die fröhliche Kelsey Frost als Köchin Ciboletta bestens verkörpert.

Und für die Sahnehäubchen, die in Wien Schlagobers heißen, sorgte das Orchester des TfN, das Achim Falkenhausen sicher durch den Abend führt. Am Ende sehr freundlicher Beifall.

Von Rainer Wagner

„Eine Nacht in Venedig“ ist am 6. und 13. Juni im Theater Hildesheim zu sehen. Weitere infos auf tfn-online.de.

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