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Das andere, das widersprüchliche Israel

Chaim Noll Das andere, das widersprüchliche Israel

Hans Noll heißt jetzt Chaim Noll. Auf hebräisch bedeutet Chaim: das Leben. Für die Namensänderung hat Schriftsteller Noll sich bewusst entschieden.

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Intellektuell: Chaim Noll mit Moderatorin Cornelia Fiedler.

Quelle: Vetter

Göttingen. Als Bekenntnis zum jüdischen Leben. Am letzten Abend seiner jährlichen Lesetour durch Deutschland zeigt Noll sich heiter bis verschmitzt am Dienstagabend im gut besuchten literarischen Zentrum in Göttingen.

Vollbärtig, mit Brille und Kippa. Intellektuell und professoral. Am nächsten Tag geht der Flug zurück nach Israel.

Und dies ist auch sein literarisches Thema. Geschichten aus Israel zu erzählen. Der 1954 in Berlin geborene Noll ist über die Emigration nach Italien schließlich 1995 nach Israel ausgewandert. Ob dies nun politische, religiöse oder familiäre Gründe hatte, auf jeden Fall ist seine Biographie bewegend.

Seine Geschichten schreibt er im Stil eines Berichts, der journalistische Züge hat. Es gehe ihm darum zu zeigen, dass es noch ein anderes Israel gebe, fernab von oft vereinfachenden Darstellungen europäischer Medienberichterstattung – ein widersprüchliches und ans Absurde grenzende. Wie in der Geschichte „Der Mann im Glaskasten“, die er aus seinem aktuellen Roman „Kolja. Geschichten aus Israel“ (2012) liest.

Moderatorin und Literaturkritikerin Cornelia Fiedler aus München spricht von der „präzisen und genauen Beobachtungsgabe“ Nolls. Diese Gabe mischt der Autor mit einem wohlwollenden Blick auf die oft schwer zu erklärenden Ereignisse. Auch für ihn selbst sei der israelische Alltag oft schwer zu verstehen, aber er sehe sich in der jüdischen Tradition der „Chronistenpflicht“, darüber zu schreiben.

Berührungsängste aufgrund der deutschen Geschichte haben sich zum Guten gewendet. Und seine Verbindung zur deutschen Sprache blieb stets bestehen. In Israel, dem Einwanderungsland, werde er bis heute „der Deutsche“ genannt, erklärte Noll. Und daran werde sich wohl auch nichts mehr ändern.

Chaim Noll: „Kolja. Geschichten aus Israel“. Verbrecher Verlag, 288 Seiten, 24 Euro.

Von Sara Söling

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