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Dumpfes Grollen und aufpeitschende Trommeln

Das japanische Ensemble Tao in der Göttinger Stadthalle Dumpfes Grollen und aufpeitschende Trommeln

Für ein aufpeitschendes Trommelgewitter hat das japanische Ensemble Tao am Mittwoch in der Göttinger Stadthalle gesorgt. Die elf Musiker beeindruckten 500 Zuschauer mit unglaublicher Energie, Ausdauer und Präzision. Doch sie beherrschen auch die leisen, lyrischen Töne von Shinobue-Flöten und Koto-Zithern.

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Quelle: AIB

Göttingen. Dieses Trommeln geht einem durch Mark und Bein. Bis zu 1,70 Meter Durchmesser haben die Perkussionsinstrumente. In der Shinto-Religion des ostasiatischen Inselstaates wird mit diesen sogenannten Taiko-Trommeln der Sturmgott verehrt. Die gefürchteten Samurai-Krieger des Landes setzten das tiefe Grollen und das zermürbende Trommelfeuer ein, um Feinde in Angst und Schrecken zu versetzen. Sich selbst putschten sie mit den treibenden Rhythmen zum Kampf auf. Bauern ließen sich bei der schweren Feldarbeit auf den Schlaginstrumenten begleiten.

Welche Energien das Trommeln freisetzt, zeigten die durchtrainierten Musiker, die sich mit Kraftsport und Halbmarathonläufen fit halten, eindrucksvoll. Mit fassgroßen Trommeln am Gürtel ihrer rockartigen Hosen wirbelten sie über die Bühne. Der Schweiß floss ihnen über die nackten Oberkörper. In abwechslungsreichen und ausgefeilten Choreographien bewegten sie sich. Eine Nummer ging in die andere über. Während die einen noch im Rampenlicht standen, brachten sich andere schon in Stellung.

Wie Keulen wirkten einige der eingesetzten Trommelschläger, mit denen die Musiker heroische Posen einnahmen. Dann wieder wirbelten sie akrobatisch Stöcke durch die Luft, traten als Schwertkämpfer gegeneinander an oder schlugen Saltos. Die wilde Show unterbrach Tao von Zeit zu Zeit mit Slapstickeinlagen. Oder die Musiker tanzten mit weißen Lampions, Fächern oder schwarz-roten Fahnen. Das ließ dem Publikum und den Künstlern Zeit zum Durchatmen. Akzente setzten zudem die drei Musikerinnen des 1993 gegründeten Ensembles, die genauso energiegeladen und furios trommelten wie ihre Kollegen. Sie schwebten aber auch mit hochgestecktem Haar, in langen weißen Gewändern und eindrucksvollen Kordeln um die Taille Shinobue-Flöte spielend die Treppen des imposanten Bühnenaufbaus hinauf und hinunter. Auch mit Koto-Zithern setzten sie verträumt-lyrische Akzente.

Am Ende spendete das Publikum lange stehend Applaus. Die Musiker, die sich auf ihrer fünften Europa-Tournee seit 2003 befinden, bedankten sich mit einer atemberaubenden Zugabe.

Alle Bilder: AIB

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