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„Das macht echt Spaß hier, kein Scheiß“

Jan Delay in der Stadthalle „Das macht echt Spaß hier, kein Scheiß“

Die Stadthalle Göttingen ist brechend voll, die Stimmung ausgelassen. Teenager sind gekommen, viele zwischen 20 und 30 Jahren sind da. Aber auch einige jenseits der 40 haben sich unter das Publikum gemischt – und alle wollen Jan Delay erleben und bekommen gleich noch die bemerkenswert professionelle Band Disko No. 1 mitgeliefert.

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Hoch das Tanzbein: Jan Delay feiert mit Band und Hintergrundchor eine rauschende Party in der Stadthalle.

Quelle: Vetter

„Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ heißt Delays jüngstes Album, veröffentlicht im vergangenen Jahr. Ein passenderes Motto hätte Delay diesem Abend kaum geben können.

Dass Delay meist im schicken Anzug, Krawatte und keckem Hütchen in die Öffentlichkeit geht, ist inzwischen bekannt. Dass er aber die feinen Klamotten völlig schmerzfrei durchschwitzt, wissen nur Konzertbesucher. Nach 90 Live-Minuten kann Delay sein violettfarbenes Hemd auswringen, vorher war der Stand der Transpirationsmenge daran abzulesen. Eineinhalb Stunden hat er sich ordentlich verausgabt, zwei Zugaben folgen.

Delay singt Hits wie „Hammerhart“ aus seiner Zeit bei den Absoluten Beginnern, einer Hamburger Hip-Hop-Band. Er coverte Titel von den Backstreet Boys, Usher oder Deichkind, immer nur einige Häppchen, und kehrt doch wieder zurück, zu dem Soul, den er hochleben lässt. Doch das alleine wäre ihm wohl zu wenig.

Manchmal klingt Disko No. 1 auch wie Earth Wind and Fire, jener Ende der 1960er Jahre gegründeten Band, die vor allem eins war: funky. Natürlich streut Delay auch gerne Reggae ein, doch der Souleinschlag ist immer durchzuhören.

Romantisch wird Delay bei dem Titel „Hoffnung“, denn da verlangt es ihn nach über den Köpfen des Publikums geschwungenen Leuchtquellen. Früher wurden dafür ordinäre Feuerzeuge benutzt, doch in Zeiten, in denen immer weniger Menschen rauchen, werden nur eine handvoll Anzünder in die Luft gereckt. Ganz unromantisch regt Delay Handy-Displays als Ersatz an. Sein Publikum spielt mit – wie auch bei dem Titel „Oh Johnny“, für den Delay den „Hubschrauber“ einfordert: Delay lässt sein Handtuch über dem Kopf kreisen, im Saal unten wirbeln Kleidungsstücke.

Immer wieder scherzt er mit dem Publikum, veralbert die Sitzkarteninhaber auf der Galerie als Bruce-Springsteen-Freunde und meint es doch nur nett. Er will allen im Saal zwei „Dance-Moves“ beibringen, von denen der erste nur aus einem 180-Hüpfer besteht, und viele springen vergnügt mit. Kein Wunder, dass Delay der Abend gefällt: „Das macht echt Spaß hier, kein Scheiß“, sagt er gegen Ende eines schweißtreibenden und denkwürdigen Abends.

Mit dem Urvater des deutschen Rock, Udo Lindenberg, hat Delay gerade ein Duett aufgenommen. Die beiden Musiker deutscher Zunge verstehen sich offenbar. Vielleicht sieht Lindenberg ja in Delay auch einen legitimen Nachfolger. Verwunderlich wäre es jedenfalls nicht, wenn Delay in absehbarer Zeit die Lindenbergs, Müller-Westernhagens und Grönemeyers beerben würde.

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