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15:26 10.09.2018
Harte Rechte: Andrew Manze bei den Hannover Proms im Kuppelsaal. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Wenn die Kameras wegschauen, geht es hier so richtig los. Das Fernsehen hat gerade nach London geschaltet – von den noch jungen „Hannover Proms“ mit der NDR-Radiophilharmonie im Kuppelsaal zur altehrwürdigen „Last night of the Proms“ in die Royal Albert Hall – da krempelt Andrew Manze die Ärmel seines Fracks hoch, holt ordentlich Schwung und setzt einen perfekt platzierten Orchestereinsatz mit seiner harten Rechten.

Manze lässt es krachen

Nach Edward Elgars Hymne vom „Land of Hope and Glory“ lässt der Dirigent es nun noch einmal richtig krachen: Zackig setzten sich die markanten Sechzehntel des „Radetzkymarsches“ in Bewegung, und Manze animiert das Publikum zum beherzten Mitklatschen. Nicht nur bei bestimmten Passagen, wie es beim Wiener Neujahrskonzert Tradition ist, sondern gleich das gesamte Stück über: Die Radiophilharmonie und ihr Chef machen wirklich Ernst mit ihrem Unterhaltungsprogramm – und die Begeisterung im Kuppelsaal ist ohnehin viel zu groß für halbe Sachen.

Doch so entschieden populär das Programm auch ist – an Raffinesse fehlt es dieser Ausgabe der Hannover Proms nicht. Das beginnt schon mit einer fulminanten Version von Nikolai Rimski-Korsakows Suite „Scheherazade“. Das Stück, das Episoden aus dem Umkreis von „Tausendundeiner Nacht“ musikalisch schildert, ist mit seinen vielen schwelgerischen Melodien und mitreißenden Rhythmen ein akustischer Leckerbissen für die Zuhörer. Für die einzelnen Musiker des Orchesters aber bietet die Partitur außergewöhnlich zahlreiche Gelegenheiten, sich in Szene zu setzen.

Allen voran kann Konzertmeisterin Friederike Starkloff mit den Arabesken ihrer Solovioline betören. Aber auch sonst eher weniger auffällige Instrumente wie das Fagott oder sogar die Tuba haben hier sehr markante Auftritte. Die ganze Radiophilharmonie spielt groß auf in diesem Konzert für Orchester. Manchmal kann man dabei den Eindruck gewinnen, die Musiker seien froh, der relativen Enge des Funkhauses zu entkommen und einmal in einem so großem Raum zu spielen. Der Klang jedenfalls ist wunderbar weit und erstaunlich gut ausbalanciert: Von den akustischen Tücken des Kuppelsaals, mit denen viele Orchester zu kämpfen haben, ist hier nichts zu spüren.

Das ändert sich mit dem Auftritt der Mezzosopranistin Anna Goryachova. Man ahnt, dass die Russin mit einem mädchenhaft weichen und zugleich volltönend dunkel gefärbten Timbre eine beispielhafte Vertreterin ihres besonderes Stimmfachs und eine ideale Carmen sein könnte. Richtig hören kann man es in den Arien aus Bizets Oper aber nicht: Der Kuppelsaal ist gnadenlos zu Sängern als Solisten – es ist wohl unmöglich, ihn allein mit einer Stimme richtig zum Klingen zu bringen. Mit vielen Stimmen aber geht das seit dem Umbau recht gut: Der Mädchenchor, der Knabenchor und der Johannes-Brahms-Chor können in kurzen Einsätzen vom Balkon aus nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Gern würde man von diesen „Carmen“-Ausschnitten noch mehr hören. Für Manze ist die „Carmen“-Musik sogar so etwas wie die erste Liebe: Sie war auf der ersten Klassik-LP, die ihm als Kind begegnet ist, erzählt er im Gespräch mit Moderatorin Susanne Stichler. Vielleicht lässt sich diese Liebe bei Gelegenheit auffrischen: Beim Klassik Open Air im Maschpark wurde die populäre Oper jedenfalls noch nicht gespielt.

Hochvirtuose Geigen

Ungewöhnlich war die Version der „Carmen“-Melodien, die das Janoska Ensemble bei seinem Proms-Auftritt bot: Das Wiener Quartett aus zwei hochvirtuosen Geigen, Klavier und Kontrabass verlässt den festen Boden der klassischen Spielweise immer wieder in Richtung Jazz und Balkan-Swing und sorgt damit auch in einer gemeinsam mit dem Orchester gespielten Paganini-Suite für immer größere Begeisterung. Dann wird es für das Fernsehen auch schon Zeit, nach London zu schalten. Und in Hannover geht die Klassik-Party richtig los.

Von Stefan Arndt

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