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Regional Poetische Punktlandung
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00:16 24.01.2017
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Auf klischeehaftes Posieren mit ihren Instrumenten verzichtet die Gruppe fast ganz: Man sieht keinen Keyboarder, der mit emotional verzerrtem Gesicht in die Tasten greift und keinen Drummer, der mit vollem Körpereinsatz Schlagzeug spielt. Arbeitslos sitzt die Begleitung von Bruno Tenschert, dem Herrn Polaris, vor ihren Instrumenten und lassen ein wenig die Köpfe hängen. Mit Gitarre und weicher Stimme bestreitet Tenschert das Intro von „Erinnerungen“. Schlagzeug und Keyboard steigen erst in der zweiten Minute ein. Das ist typisch für „Der Herr Polaris“: Die Melodie schwillt an. Am Anfang eines Liedes werden häppchenweise die Loops mit einzelnen Klängen und kleinen Melodien gefüttert, die dann den Rest des Stückes durchspielen. Dabei entstehen schnörkellose Klangkompositionen, die sich nie zu lang ziehen. Das Ende des Lieds kommt manchmal so abrupt, dass die Zuhörer mehr erstaunt als enthusiastisch klatschen.

Die deutschen Texte lassen Raum für Bilder und Interpretation. „Drehen und Wenden“ ist nicht nur der Titel von gleich zwei Songs, sondern auch die Vorgehensweise beim Songwriting von „Der Herr Polaris“. „Mein Herzschlag schlägt mich, mein Herzschlag schlägt für dich“, heißt es an einer Stelle. Eine feine Justierung im Satz, eine große Bedeutungsverschiebung und vor allem: ein sehr eingängiges Bild. Immer wieder finden sich poetische Kleinode von großer Kraft: Zum Beispiel die Frage danach, ob man Liebe überwintern kann.

Die Musik ist so ruhig und trommelfellfreundlich, dass Tenschert es für geboten hält, rockigere Nummern vorher anzukündigen: „Es könnte sein, dass das nächste Stück ein bissl lauter wird“, leitet der Augsburger den Song „Deine Wege“ ein. Diese Vorsorge ergänzt er scherzhaft mit einem Angebot für die musikalische Nachbetreuung des Konzerts: „Falls ihr nachher eine Therapiestunde braucht, kommt zum Merchandise-Stand“, lädt Tenschert ein. Ein bisschen merkt man es ihm an: Wenn er nicht mit seinem Album auf Tour ist, arbeitet er als Streetworker.

Therapie brauchte das Publikum am Ende des Abends nicht. Sehr wohl jedoch eine Zugabe.

Von Jorid Engler

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