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Der Künstler Alfred Pohl

Retrospektive Der Künstler Alfred Pohl

Leuchtende Farben, starke Schnitte: Anlässlich des 80. Geburtstags des Göttinger Künstlers Alfred Pohl im vergangenen Sommer zeigt die Kunstsammlung der Universität in Kooperation mit dem Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen im Alten Rathaus eine Retrospektive seines Werkes. Die Arbeiten stammen aus dem Rheinischen Landesmuseum in Bonn. 

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Holzschnitt: „Blaue Bäume“, 2007 von Alfred Pohl auf seiner eigenen Presse gedruckt.

Quelle: Katalog

Mit seinen mächtigen Schwingen und dem großen Schnabel setzt der Kondor dem Stier  gewaltig zu. Der Vogel ist festgebunden auf dem Rücken des Stieres, der die spanischen Eroberer symbolisiert. Mit einem gewaltigen schwarz-roten Holzschnitt hat Alfred Pohl diese Tradition zum peruanischen Nationalfeiertag dargestellt. „Peru – das hat mein Leben auf den Kopf gestellt“, sagt der ehemalige Kunsterzieher, der 1967 zum Auslandsschuldienst in das Andenland ging. Viele der Holzschnitte und Radierungen, die die Retrospektive zeigt, weisen Spuren davon auf. Der erste oder zweite Holzschnitt von 1967 ist im Rathaus ebenso zu sehen wie die neueren Arbeiten der letzten Jahre. Dabei sind neben den Holzschnitten auf Farbradierungen – der größte Teil sind Landschaften.

Doch so stark farbig viele der  Arbeiten auch sind, ihr Ursprung muss nicht in Südamerika liegen. Szenen aus Paris oder Don Quijotes Ochsen am Steuer von Kleinwagen sind ebenso dabei. 

Idee in der Unterführung

Pohl erläutert zum Triptychon „Blau, Gelb, Rot“: „Die Idee kam mir in der Unterführung an der Bürgerstraße.“ Kuratorin Katja Riemer verweist dennoch zu Recht auf die vielen Bezüge und thematischen Verweise in der Motivik. Südamerikanische und europäische Literatur, Landschaften, Darstellungen von Engeln, Allegorien, Mythen, Religionen, Arbeit und Tanz sind zu sehen. 

Riemer hat die Ausstellung thematisch in acht ineinander übergreifende Bereiche aufgeteilt, die die mehr als 100 ausgestellten Arbeiten in den Räumen gliedern. Ihr Anspruch ist nicht zuletzt ein didaktischer, und so sind neben Holzstöcken, Zeichnungen und Druckplatten auch Probedrucke der besonderen Technik der „Verlorenen Platte“ zu sehen. Bei diesem additiven Hochdruckverfahren wird bei mehreren Druckfarben mit einer einzigen Platte gearbeitet, von der Stufe für Stufe mehr  weg geschnitten wird. Und so ist hier zu sehen, was selten ist – die exemplarischen Stufen und Schritte, Parallelen und Ausnahmestücke eines mehr als 1600 Blätter umfassenden Lebenswerkes.   

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, dessen Texte von Studierenden in einem Seminar von Dr. Gerd Unverfehrt am Kunstgeschichtlichen Seminar erarbeitet worden sind. 

Die Ausstellung im Alten Rathaus in Göttingen, Markt 9, wird am morgigen Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Von da an ist sie dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr bis zum 17. Juli zu sehen. In Hildesheim: Farbholzschnitte von Pohl im Dom-Museum bis 9. August dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Galerie Alte Feuerwache, Burgstraße 36 in Göttingen: „Alfred Pohl – Grafische Arbeiten“, Vernissage ist am Freitag, 5. Juni, um 19 Uhr.

Von Tina Lüers

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