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„Der Roman muss ein Weltbestseller werden“

Iris Hanika „Der Roman muss ein Weltbestseller werden“

Wieder ein Buch über die Nazi-Vergangenheit in Deutschland. Autorin Iris Hanika sagt selbst über das Thema ihres neuen Romans „Das Eigentliche“: „Die Leute haben die Nase voll. Sie können es nicht mehr hören.“

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Iris Hanika: „Die Leute haben die Nase voll.“

Quelle: Theodoro da Silva

Und deshalb wollte sie es anders angehen. Aus einer neuen Sichtweise. Das ist ihr gelungen. Nur leider verkauft das Buch sich nicht gut.
„Ich habe gedacht, der Roman müsste ein Weltbestseller werden“, sagte Hanika am Donnerstagabend bei der Saisoneröffnung im Literarischen Zentrum und lacht. Jetzt wird sie mit einer anderen Realität konfrontiert.

„Das Eigentliche“ handelt vom deutschen Leiden an der Nazi-Vergangenheit. Hanika hat also keinen historischen Roman geschrieben, sondern einen, der in der Gegenwart spielt. Ihr resignierter Held Hans Frambach arbeitet diese Nazi-Vergangenheit auf. Frambach, ist in Berlin als Archivar im sogenannten Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung beschäftigt. Dort wird „die Dunkelheit, aus der dieser Staat vor langer Zeit hervorgekrochen war, in das hellste Licht gestellt und zu seinem Eigentlichen erklärt“.

Der 1962 geborene Archivar leidet an der Vergangenheit, und er fühlt sich ihr verpflichtet. „Es kommt eine Zeit, da fällt alles ab von einem. Die Wut der jungen Jahre und das Leiden an der Ungerechtigkeit der Welt, auch die Zuversicht, sie würde besser werden oder sogar gut ... Es kommt eine Zeit, da ist dieses Herz plötzlich leer geworden und der Mensch, auf sich selbst zurückgeworfen ... keine schöne Zeit.“ Gleich in den ersten Sätzen ihres Romans fasst Hanika die Gemütslage ihres Protagonisten zusammen, der von der „Gnade der späten Geburt , ha, ha“ nicht profitiert. Die Geschichte lässt ihn nicht los. Ständig vergleicht er sein Leben mit dem der Ermordeten in Auschwitz. Und er fragt sich, ob er diesen Zwang als anmaßend, vermessen, obszön oder eher frivol bezeichen soll. Hanika wählt in ihrem zweiten Roman ungewöhnliche Stilmittel: Buch- und Filmzitate mit Quellenhinweisen, Gedichte und Liedtexte unterstreichen das Eigentliche. Sie liest diese Passagen mit einer irritierenden Zurückhaltung: „Jedem Lied wohnt Auschwitz inne, jedem Baum, jedem Strauch ... und jedem Menschen auch, Fiderallala, fiderallala, fideralla lala la.“

Singen möchte sie diese Passage lieber nicht. Auch über das „Fideralla“ an dieser Stelle ist sie unsicher: „Ich weiß es auch nicht genau, ob das geht, aber ich schreibe es einfach, ich glaube, es gehört dahin“, erzählt Hanika über ihre Vorgehensweise.
Hanika sprach nach der Lesung im Literarischen Zentrum mit dem Germanisten Martin Reuter. Der lobte neben der großen Ernsthaftigkeit des Romans die Komik, die sich ganz Sachte ausbreitet. Wenn man sich durch die etwas trockenen Anfangspassagen gelesen habe, schränkt Hanika sofort lachend ein.

Iris Hanika: „Das Eigentliche“. Literaturverlag Droschl. 176 Seiten, 19 Euro.

Von Eida Koheil

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