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Der Schweizer Komponist Daniel Ott über eine Wiederholung

Festival Linien in Göttingen Der Schweizer Komponist Daniel Ott über eine Wiederholung

Die Raumkomposition „beschleunigung. lokhalle. 9/04“ des Schweizer Komponisten Daniel Ott hatte 2004 Uraufführung in der Göttinger Lokhalle. Im Rahmen des Festivals Linien wird sie am Montag, 30. August, ein weiteres Mal dort aufgeführt. Mit Ott hat Corinna Berghahn darüber gesprochen.

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Bei den Planungen in der Göttinger Lokhalle: der Komponist Daniel Ott.

Quelle: BB

Das letzte Mal waren Sie 2004 in Göttingen.
Ich bin gerade heute mit dem Zug durch Göttingen durchgefahren (lacht). Aber künstlerisch tätig war ich seit 2004 in Göttingen nicht mehr.

Freuen Sie sich denn wieder auf die Stadt?
Ja, auf jeden Fall.

Damals haben Sie gesagt ihre Aufführung ist etwas einmaliges. Jetzt wird es aber noch mal aufgeführt. Ist das inkonsequent?
Stimmt, es ist inkonsequent. Es ist aber auch ein großes Glück. Das erlebt man fast nie. Das Festival „Experiment Geschwindigkeit“ war natürlich einmalig in dieser Zusammenstellung, mit Il Treno, mit der Deutschen Bahn. So wird es natürlich nicht noch mal stattfinden. Aber dann hat das Netzwerk Neue Musik Niedersachsen einen Ort gesucht als Station für den Klangzug. Aufgrund der positiven Erfahrungen von 2004 hat sich Göttingen angeboten. Und jetzt bin ich total begeistert, dass es in Göttingen wieder ein neues Festival gibt, das Festival Linien.

Was begeistert Sie denn so?
Ich finde, diese einmalige Situation wie dort die Veranstalter zusammenarbeiten kann man gar nicht genug wertschätzen. Jedenfalls hat man diesen Eindruck von außen. Und diese ziehen sowohl inhaltlich wie auch organisatorisch an einem Strick. Und man hat das Gefühl, dass es in Göttingen ein großes Interesse an Neuer Musik und an Moderner Kunst gibt. Das Publikum wird mobilisiert und geht nicht nur einfach hin und dann wieder nach Hause. Es interessiert sich wirklich.

Diese Erfahrungen haben Sie 2004 gemacht?
Ich habe 2004 etwa zehn Tage vor dem Festival dort gewohnt, und täglich miterlebt, wie die Leute sich begeistern. Auch die Musiker aus Göttingen die mitgemacht haben. Die habe ich auch als sehr offen und sehr interessiert erlebt. Und diese kunstaffine Atmosphäre in Göttingen ist schon etwas ganz Besonderes.

Und das war dann auch der Grund, dass sie jetzt zugesagt haben, wieder mitzumachen?
Ja genau. Die Idee stammte nicht von mir. Das Team von 2004 fragte mich: Können wir das Stück von 2004 nochmals aufführen? Da habe ich erst gezögert, vielleicht aus den Gründen, nach denen Sie eben gefragt haben. Gleichzeitig war diese Einmaligkeit auch darin begründet, dass wir davon ausgegangen sind, die Lokhalle nicht wieder zu bekommen. Aber jetzt war es so, dass die Lokhalle sehr großzügig beim Festival Linien eingestiegen und sogar Mitveranstalter geworden ist. Und da sich die Lokhalle dieses Stück nochmals gewünscht hat, kommt es zu dieser Ausnahme.

Wird es Änderungen geben zur Aufführung 2004?
Nun, genau so kann man es nicht noch einmal machen. Doch wir versuchen schon, das Stück so getreu wie möglich aufzuführen. Also mit denselben Instrumenten, mit derselben Aufteilung im Raum – und auch die Hälfte der Musiker werden dieselben sein wie 2004. Aber vielleicht gibt es kleine Verbesserungen.

Wissen sie schon, was Sie verbessern könnten?
Ich habe noch keine Ideen im Kopf. Doch wenn wir fünf Tage in der Lokhalle arbeiten, sind wir vielleicht ein bisschen schneller als 2004, und vielleicht fällt uns einfach etwas ein oder auf, was die Positionierung oder die Lichteinrichtung betrifft.

Hat ihre Arbeit 2004 Ihre weitere Arbeit geprägt?
Ja, das kann man schon sagen. Göttingen war ein Glied in einer Kette von Arbeiten, die sich mit Räumen auseinander setzten. Aber Göttingen war schon etwas Besonderes. Einmal allein von der Größe des Raumes her und auch vom Publikumszuspruch. Das ist relativ selten, dass man so eine aufmerksame Konzentration hat von so vielen Leuten in einem so großen Raum – das war schon ein bisschen die Verwirklichung einer Utopie.

Und das Göttinger Publikum …
… wurde nicht streng geführt. Es gab diese riesige Halle und innerhalb von Minuten hat das Publikum sich quasi selbst organisiert. Man hatte den Eindruck, dass die Zuhörer mit den Ohren dahingehen, wo sie es interessiert. Das so etwas auch funktioniert, wenn man keine lange Einführung macht und erzählt, wo es langgeht, war eine wunderschöne Erfahrung, die mich auch mutiger gemacht hat.

Was reizt Sie beim Konzept des Festivals Linien?
Auf der einen Seite die große Vielfalt bei der Programmierung. Es sind unterschiedliche Formate vertreten. Was mir gefällt, ist dass durch die Integration der „Ensemble Modern Akademie“ so etwas wie eine Stabübergabe an die nächste Generation stattfindet. Toll ist auch, dass das Orchester wieder mitmacht. Da habe ich den Eindruck, dass derartige Dinge in Göttingen gut funktionieren, ein Teil des musikalischen Selbstverständnisses sind und eine große Anhängerschaft haben. Es klingt wie eine gute Mischung von Göttinger Künstlern plus Gästen. Und dann sind ja auch verschiedene Ensembles aus Niedersachsen dabei. Göttingen zeigt sich als offene Stadt.

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„Linien – ein Festival für Neue Musik"

In der Lokhalle Göttingen und auf dem Bahnhofsgelände findet von Freitag, 27., bis zum Montag, 30. August, das Festival „Linien – ein Festival für Neue Musik“ statt. Im Mittelpunkt des Programmes steht Neue Musik amerikanischer Komponisten.

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