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Deutsch-französisches Konzert mit Neuer Musik

Im Alten Rathaus Göttingen Deutsch-französisches Konzert mit Neuer Musik

Das Pariser „Ensemble Aleph“ und „Das Neue Ensemble“ aus Hannover spielen gemeinsam unter dem Titel „In the Flow“ am Mittwoch, 2. März, im Alten Rathaus Göttingen. Ziel ist es, spielerisch aktuelle Neue Musik „in den Fluss“ zu bringen – unter anderem mit einer Uraufführung. Udo Hinz hat sich mit Stephan Meier, Schlagzeuger und künstlerischer Leiter des Neuen Ensembles, über seine Lust an der heutigen Musik, die derzeitigen Trends und das Konzertprogramm unterhalten.

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„Für mich gibt es einfach nur eine Musik“: Stephan Meier, künstlerischer Leiter des Neuen Ensembles.

Quelle: EF

Wie kamen Sie persönlich zur Neuen Musik? Ich mochte schon immer Geräusche, Trommeln, Spaß. Und ich wollte wissen: Wie klingt Musik, die das Entsprechende zu dem beinhaltet, was Brecht oder Enzensberger in der Literatur oder für das Theater machten? Noch immer suche ich nach tollen Klängen und Musikerlebnisse, die mich ergreifen und nicht so schnell loslassen.

Was charakterisiert für Sie die Neue Musik des 21. Jahrhunderts?
Charakter? Sicherlich nicht nur einer! Die Uneinheitlichkeit hat eher noch zugenommen – damit auch eine „Das kann ich auch“-Verflachung vermeintlich etablierter Stile. Hier werden oft nur leere Hülsen von Festival zu Festival weitergereicht. Es gibt noch kein neues Genie im 21. Jahrhundert.

Gibt es denn aktuellen Trends?
Heute lauten die wichtigsten Fragen: Wie kann man Wesentliches sagen – also Komponieren? Wie kann unsere Tonsprache tolle Eindrücke fassbar kommunizieren, ohne sich blind – besser: taub – zu stellen gegenüber den Errungenschaften der Moderne? Wie kann man dem Bedürfnis nach kommunizierbarem Erleben Raum geben?

Das Konzert in Göttingen steht unter dem Titel „In the Flow“. Was ist damit gemeint?
Die beteiligten französischen Musiker wollten ihren Horizont – ebenso wie unseren – in der Musik erweitern, neue Spielsituationen in unterschiedlichen Kompositionen ausprobieren. Die Idee war also, die Erfahrungen der beteiligten Ensembles, die ja beide bereits jahrelang erfolgreich arbeiten, „in Fluss zu bringen“ – auch ästhetisch.

Was erwartet uns bei der Uraufführung von Annette Schlünz?
Die Komponistin schrieb ein Stück speziell für die zwei Ensembles. Das Werk ist räumlich konzipiert mit Zurufen und Echos – aber verfremdeten Echos. Die ganze Musik wird über die Dauer des Werkes zunehmend gefärbter, bedeutungsbehafteter und ruhiger.
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des europäischen Projektes „Lieu“ – Laboratoire Instrumental Européen.

Wie erleben Sie den Austausch in Europa im Bereich Neue Musik?
Es gibt schon einen regen Austausch. Doch wir können noch viel mehr davon gebrauchen. Nach wie vor gibt es aber auch immer noch viele Nationalismen. Das ist auch gut so. Wir müssen aber den Dialog darüber führen. Beim „Lieu“ findet dies von ganz unten aus statt, das ist hervorragend und viel wert. Der Austausch passiert ohne autoritative Prädikate großer Institutionen, sondern direkt zwischen den Musikern und Ihren Komponisten.

In der Musikgeschichte wird in Bezug auf Deutschland und Frankreich von nationalen Schulen gesprochen. Gibt es diese Unterschiede noch heute?
Ja, die Musik entwickelt sich noch immer in Bezug auf die vorhergegangene Musik. Auch die Aufführungspraxis unterscheidet sich in den beiden Ländern. Was die aktuelle Zusammenarbeit der zwei Ensembles auf dieser Basis bewirkt, wird im Göttinger Konzert sehr spannend zu erleben sein.

Welche Herausforderung hat die Neue Musik für Sie im Gegensatz zur klassischen Musik?
Sorry, für mich gibt es einfach nur eine Musik! Beethoven oder Haydn haben dieselben Fragen beantwortet beziehungsweise gestellt wie Boulez.

Heutzutage gibt es nicht mehr die „großen“ Komponisten. Ist die Neue Musik demokratischer?
Ja, den ganz großen Namen gibt es derzeit nicht. Und unser Projekt „Lieu“ ist tatsächlich sehr demokratisch. Mir ist aber wichtig, dass auch künstlerische Ergebnisse geleistet werden – egal, ob demokratisch oder undemokratisch, um einmal ketzerisch im Sinne der Kunst zu reden.

Sie sind auch künstlerischer Leiter von „Musik 21 Niedersachsen“. Wie entwickelt sich zurzeit das Publikumsinteresse bei der Neuen Musik?
Es besteht ein ungestillter Bedarf an lustvoller Belehrung. Die Zuhörer wollen wissen, was ist denn nun die Moderne und was bleibt von ihr. Wir spüren diese Neugier in der Landeshauptstadt genauso wie in kleinen Städten. Überall bevorzugt das Publikum zwei Dinge: Einführungen und Veranstaltungen in einem besonderen Rahmen. Als künstlerischer Leiter hoffe ich, dass ich zu den Inhalten stets den passenden Rahmen finde.

„Das Neue Ensemble“ und das „Ensemble Aleph“ treten mit „In the Flow“ am Mittwoch, 2. März, um 20 Uhr im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9, auf. Karten gibt es in der Tourist-Information im Alten Rathaus unter Telefon 05 51 / 49 98 00.

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