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Regional „Alles was Sie wollen“ hat Premiere am DT
Nachrichten Kultur Regional „Alles was Sie wollen“ hat Premiere am DT
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01:00 15.10.2018
Sie kommen sich näher: Lucie (Mirjam Sommer) und Thomas (Nikolaus Kühn). Quelle: R
Göttingen

Lucie hat eine Schreibblockade. Der ziemlich erfolgreichen Dramatikerin ist der Stoff ausgegangen. Bislang hat sie über ihr Leben geschrieben, über Beschimpfungen, Tod und andere Grausamkeiten. Doch das ist jetzt alles erzählt. Sie sei zu glücklich, um neue Ideen für Theaterstücke zu haben, erzählt sie Thomas. Der wohnt unter ihr. Sie lernen sich kennen, weil Lucie ihre Badewanne überlaufen lässt und es in der Wohnung von Thomas von der Decke plätschert.

Die Franzosen Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière haben das Stück „Alles was Sie wollen“ geschrieben, eine leichte romantische Komödie, die erstaunlicherweise trotzdem berührt. Beide schreiben seit fast 20 Jahren zusammen Drehbücher und produzieren Filme. Mit ihrem ersten Stück fürs Theater landeten sie einen bemerkenswerten Überraschungserfolg: „Der Vorname“. Von der Qualität dieser Arbeit konnten sich auch Göttinger Theatergänger überzeugen. Max Claessen inszenierte das Stück 2012 am Jungen Theater. „Alles was Sie wollen“ wurde 2016 in Paris aufgeführt und trat von dort aus seinen Siegeszug an.

Feinsinnig und präzise inszeniert

Regisseur Münzel hat der Inszenierung ein eher gemächliches Tempo gegeben. Er hat den Schauspielern viel Raum verschafft, ihre Figuren zu entwickeln, und er hat sehr feinsinnig und präzise inszeniert. Mirjam Sommer und Nikolaus Kühn nutzen das für eine facettenreiche und überzeugende Darstellung. Sommer ist als Lucie zu Beginn sehr schön kratzbürstig und widerborstig. Nur weil sie die Wanne hat überlaufen lassen, muss sie nicht diesen Mann in ihre Wohnung lassen –und schon gar nicht in ihr Leben. Doch genau da will Thomas hin, allerdings erst mal nur als jemand, der seine Nachbarn kennenlernen möchte. Den Alten aus dem Erdgeschoss mit dem Hund beispielsweise. Oder den berühmten Schauspieler, Lucies Mann, wie sich bald herausstellt. Kühn spielt diesen sehr menschlichen Steuerberater mit großer Souveränität und Überzeugungskraft. Zwei Schauspieler agieren hier auf Augenhöhe.

70 Minuten haben Lucie und Thomas Zeit, einige grundlegende Fragen zu klären. Da geht es um das Kümmern um Mitmenschen, um Hilfsbereitschaft und Offenheit, aber auch um das Recht auf Privatsphäre und Empfindlichkeiten. Beziehungen werden Stresstests unterzogen und der Umgang mit dem Lebenspartner hinterfragt. Heiligt der Zweck alle Mittel?

Stapelweise Papier

In einem einzigen Zimmer spielt sich die Annäherung von Lucie und Thomas ab, in dem Wohn- und Arbeitszimmer von Lucie. Der junge Bühnenbildner Johannes Frei, der seit der Spielzeit 2014/15 häufig für das Deutsche Theater gearbeitet hat, stellt einen Tisch ins Zentrum, darauf und darum herum stapelweise Papier, alles Material für das Schreiben von Lucie, das gerade sehr unrund läuft.

Komödiantisches wird das Stück vor allem durch zauberhafte Wortgefechte, die sich die Protagonisten liefern, Sprachkomik auf hohem Niveau. Kühn und Sommer zeigen sich als versierte Komödianten mit vielen Möglichkeiten, die das jedes Tempo gehen können. Vor allem Kühn hier und da viel Gas. Doch auch den stillen Momente, in denen sich die beiden näher kommen, geben sie viel Emotion und Tiefe.

Konzentrierte Arbeit des Regieteams

Sehr viel Beifall gab es vom Premierenpublikum für die Schauspieler, das auch die konzentrierte Arbeit des Regieteams würdigte. Ein sehr runder und vergnüglicher Abend.

Die nächsten Vorstellungen: 18., 22. und 28. Oktober sowie am 6., 15. und 28. November um 20 Uhr auf der Kellerbühne des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11. Karten können unter Telefon 0551/4969300 reserviert oder auch in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, gekauft werden.

Von Peter Krüger-Lenz

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