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"Tatort"-Kommissare sind Geist und Geizhals

Dickens im Deutschen Theater "Tatort"-Kommissare sind Geist und Geizhals

Aus dem Geizhals wird ein Gönner: Mit den als Tatort-Kommissaren bekannten Schauspielern Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl gastierte das Sagas.Ensemble am Sonnabend im Deutschen Theater mit dem seit Wochen ausverkauften Bühnenmärchen mit Musik: Charles Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte".

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Gastspiel im DT: Eine Weihnachtsgeschichte (nach Charles Dickens) mit den Schauspielern Miroslav Nemec (links) und Udo Wachtveitl sowie dem sagas Streichquartett.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Am Gehrock von Ebenezer Scrooge fehlt ein Knopf. Zufall oder bewusste Kostümierung der Hauptperson? Die Rolle des bis zu einer geisterhaften Weihnachtsnacht unerbittlichen Geizhalses hat Miroslav Nemec übernommen. Mit Udo Wachtveitl, der auch in den Münchener "Tatort"-Folgen im Fernsehen sein Partner ist, bringt er einen Klassiker auf die Bühne: "Eine Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens (1812-1870). Die beiden Schauspieler zogen bei ihrem Gastspiel als Mitglieder des Sagas.Ensemble die Register ihrer Schauspielkunst. Verbittert, furchteinflößend, später einsichtig und umgänglich gibt Nemec den unerbittlichen Geschäftsmann im London des 19. Jahrhunderts. Er blafft, "so müsste jeder Narr, der mit seinem fröhlichen Weihnachten herumläuft, mit seinem eigenen Pudding gekocht und mit einem Pfahl von Stechpalmenzweigen im Herzen begraben werden."
Es kommt am Ende anders. Und das ist in der Inszenierung von Martin Mühleis, der den Dickens-Text für die Bühne und zwei Tatort-Kommissare fein geschliffen hat, eine unterhaltende und nachdenklich machende Geschichte. Die kommt ohne "We Wish You a Merry Christmas" nicht aus. Das Lied ist nun mal ebenso wie die Dickens-Geschichte ein Klassiker. Es spricht für das Streichquintett des Sagas.Ensemble, das es ihm auf wunderbare Weise gelingt, den schauspielerischen Einsatz zu verstärken. Die drei Geigerinnen, die Cellistin und der Kontrabassist spielen, nicht nur weil sie mit fedrigen, großen Engelsflügeln musizieren, himmlisch. Variieren den Weihnachtssong von bedrohlich bis fröhlich, stellen mit weiteren von Libor Sima komponierten Stücken die Straßen von London nach, die feindselige oder fröhliche Stimmung oder charakterisieren mit ihren Melodien die handelnden Personen. Dazu sorgt das Lichtdesign von Birte Horst für ebenfalls fein dosierte, aber wirkungsvolle Betonung.
 Wachtveitl, der alle möglichen Charaktere vom kleinen Timmy bis zu den vier Geistern, von der Verlobten bis zu Misses Cratchit verkörpert, und Nemec sind zwei eingespielte Kompagnons in dieser musikalischen Lesung. Die hatte am 1. Dezember im Lessingtheater in Wolfenbüttel Premiere und hat das Zeug, zum Bühnenklassiker zu werden. Das geht nochmal und nochmal, alle Jahre wieder, weil die im Jahr 1843 geschriebene Geschichte "A Christmas Carol in Prose" bestens mit ihrer Kritik am besinnungs- und rücksichtslosen Scheffeln von Gut und Geld in die Zeit passt. Nach dem Schlusssatz, "Fröhliche Weihnachten - uns allen", wurde begeistert applaudiert und noch fünfmal kehrte das Sagas.Ensemble auf die Bühne des Deutschen Theaters zurück. Beim Verlassen des Theaters war der Gruß "fröhliche Weihnachten" oft zu hören; klang er anders?

Ensembles und Editionen von Saga

Das Stuttgarter Sagas.Ensemble von Regisseur Martin Mühleis hat Bucheditionen und Bühnenprogramme mit verschiedenen Besetzungen zu bieten. In Göttingen gastierte es unter anderem bereits mit den Erich-Kästner-Abenden mit Walter Sittler, mit "Seide" mit Joachim Król und dem Trio "South of The Border" oder beim Kultursommer gab es Frida Kahlo mit Suzanne von Borsody und dem Trio Azul sowie "Der kleine Prinz" mit Kai Struwe und August Zirner zu sehen.

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