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„Die Arabische Reise" im Deutschen Theater

Lesung „Die Arabische Reise" im Deutschen Theater

Gibt es fliegende Fische im Roten Meer? Wieso beobachtet man in Asien und Afrika eine außergewöhnliche Vermehrung von Weizen? Das sind zwei von 100 Fragen, mit denen im Gepäck 1761 fünf Forscher zusammen mit einem Diener eine Reise nach Arabien unternahmen.

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Aus Niebuhrs Reisebericht, erschienen 1774-1778: „Kriegsübungen der Araber in Yemen“.

Quelle: EF

Göttingen. Um dieses waghalsige Unterfangen – fünf der sechs Reiseteilnehmer kamen ums Leben – geht es in der multimedialen Lesung „Die Arabische Reise – Teil 1“ am Sonnabend, 11. Mai, im Studio des Deutschen Theaters.

Initiator dieses Projekts ist die Wiener Künstlergruppe „red park“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater, den Händel-Festspielen und der Universität Göttingen. Die Festspiele sind dabei, weil sie in diesem Jahr ein Programm zum Thema „Orient“ anbieten, die Universität, weil den Anstoß zu dieser Reise ein Göttinger Professor gegeben hat.

Es war der Orientalist Johann David Michaelis (1717-1791) , der diese Expedition vorbereitet hatte. Um den Wahrheitsgehalt der biblischen Geschichten des Alten Testaments zu überprüfen, wollte er mittels empirischer Forschung vor Ort das Wissen erweitern.

So hatten etwa manche Vokabeln des Alten Testaments, die sich auf die Kultur und die Lebensweise des alten Orients bezogen, eine unklare Bedeutung. Manche Tierarten, die in der Bibel erwähnt sind, waren hierzulande unbekannt. Und ermittelt werden sollte beispielsweise auch, welchen medizinischen Nutzen die Beschneidung von Knaben besitzt.

Dieses Unternehmen war die erste wissenschaftlich begründete und konzipierte Expedition in die Länder des arabischen und vorderasiatischen Raums. Michaelis konnte den dänischen König für die Finanzierung der Reise – heute würde man ihn einen Sponsor nennen – gewinnen.

Ungewöhnlicher Mut

Reiseteilnehmer waren ein Philologe, ein Zoologe und Botaniker, ein dänischer Mediziner, ein Zeichner und Kupferstecher sowie Carsten Niebuhr (1733-1815), zuständig für Mathematik und Kartographie. Niebuhr hatte in Göttingen Mathematik studiert und war 1760 als Ingenieurleutnant in dänische Dienste getreten. Die gelehrten Herren bediente ein dänischer Dragoner.

Ausgestattet mit dem Fragenkatalog machte sich 1761 die Expedition von Kopenhagen aus per Schiff auf den Weg nach Südosten: zunächst nach Konstantinopel, von dort nach Kairo und auf die Halbinsel Sinai. Weiter ging es nach Dschidda und in den Jemen. Dort infizierten sich Mitte 1763 zwei der Reisenden mit Malaria und starben.

Die übrigen reisten weiter nach Indien, doch noch auf der Überfahrt erlagen zwei weitere Mitglieder der Gruppe der Krankheit. Nur Niebuhr und der Arzt Cramer waren übrig, als das Schiff im September 1763 in Bombay landete. Und auch Cramer kehrte nicht zurück nach Europa: Er starb im Februar 1764 .

Niebuhr setzte dennoch seine Forschungen allein fort. Damit bewies er ungewöhnlichen Mut. Seine Route führte zu Lande zurück nach Westen über Persepolis, Bagdad, Mosul und Aleppo. Über Zypern, Jerusalem und Damaskus kehrte er nach Konstantinopel zurück und machte auf dem Rückweg nach Kopenhagen noch einmal Station in Göttingen. 1767 war die Reise zu Ende.

Sein ausführlicher Expeditionsbericht, basierend auf seinen Aufzeichnungen und den Notizen seiner verstorbenen Kollegen, erschien 1774 bis 1778 in drei reich illustrierten Prachtbänden („Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern“), dem nach seinem Tod noch ein vierter folgte („Reise nach Syrien und Palästina“, 1837 ).

Sein Werk gilt als die wichtigste frühe Schrift über die arabische Kultur, mit Niebuhr begann die neuzeitliche Kenntnis vom Orient. Mit seinen Kopien von Keilschrifttafeln hat er die Grundlage für Georg Friedrich Grotefends Entzifferung der Keilschrift ( 1802 ) geliefert.

Von Michael Schäfer

Die Lesung am 11. Mai um 20 Uhr im DT-Studio wird durch einen zweiten Abend am 17. Mai um 20 Uhr im Keller des Deutschen Theaters komplettiert.

Geplant ist, einen Katalog mit 100 neuen Fragen zusammenzustellen, mit dem – sofern die Finanzierung zustande kommt – im kommenden Jahr ein neues Team in den Orient reisen soll.

Die Künstlergruppe „red park“ wird in einem mobilen Büro aus Europaletten vor dem Theater Anregungen für den Fragenkatalog aus dem Publikum sammeln.

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