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Regional Die „Göttinger Connection“ und das Clavichord
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00:19 08.11.2018
Intime musikalische Reize: Sally Fortino (links) und Ina Siedlaczek im Holbornschen Haus. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Das Clavichord ist ein leises Instrument. Seine Blütezeit hatte es im 17. und 18. Jahrhundert. Es besitzt Saiten und Tasten wie ein Klavier, wird auch auf ähnliche Weise angeschlagen, aber nicht mit befilzten Hämmern, sondern mit einer schmalen Metallkante, der „Tangente“. Das ergibt einen sehr zarten, silbrigen, vor allem in höheren Lagen rasch vergehenden Klang. Für ein Zimmer ist das Instrument gut geeignet, für einen großen Saal nicht.

Drei Tage für das Clavichord

So klein wie der Klang ist auch die Gruppe von Musikfreunden, die eine ganz besonders treue Liebe zum Clavichord eint. Drei Tage lang haben sich die Mitglieder der vor 25 Jahren gegründeten Deutschen Clavichord Societät am Sitz ihrer Gesellschaft in Göttingen bei den 44. Clavichordtagen getroffen. Die Räumlichkeiten des Holbornschen Hauses waren dafür zugleich groß und klein genug. Für die knapp 50 Zuhörer des Schlusskonzerts passte die Kapazität des intimen Saales vorzüglich.

Die beiden Musikerinnen – die aus den USA stammende Sally Fortino am Clavichord und die Sopranistin Ina Siedlaczek – hatten ein spannendes Programm aus Liedern und kleinen Sonaten zusammengestellt, die alle etwas mit Göttingen zu tun hatten, beispielsweise das Lied „An Betty“ von Georg Heinrich Warnecke, im 18. Jahrhundert Organist an der Göttinger Marienkirche, „An das Klavier“ auf ein Gedicht von Philippine Gatterer, die dem Göttinger Hainbund nahestand, oder das finale Lied „Doris“ aus der Feder des aus Bern stammenden Mediziners, Naturforschers und Dichters Albrecht von Haller, der zu den ersten Professoren der Göttinger Universität gehörte und den Alten Botanischen Garten angelegt hat. Besonders hübsch das von Christian Schubart komponierte Lied „Das Glük der Virtuosen“: Darin wird der schlechte Geschmack des gemeinen Publikums beklagt, das lieber „Schellenklang, Gebell und Katzenschrey“ hört als Musik vom Clavichord oder Werke von Bach. Der Textdichter Hans Adolf Friedrich von Eschstruth studierte 1775 in Göttingen.

Feine Phrasierung

Siedlaczeks leichter, beweglicher, linealisch geführter Sopran passte perfekt zu acht empfindsamen vokalen Kleinodien, in denen immer wieder auch das „Clavier“ besungen wurde. Und Fortino gestaltete den Begleitpart und die drei Solo-Sonaten mit feiner Phrasierung und der stilistisch angemessenen Flexibilität im Zeitmaß. Viel Applaus, die Wiederholung des „Glüks der Virtuosen“ als Zugabe.

Von Michael Schäfer

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