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Die Göttinger Künstlerin Sigrid Kindel stellt im Künstlerhaus aus

Nachdenken und nachfühlen Die Göttinger Künstlerin Sigrid Kindel stellt im Künstlerhaus aus

Ein Satz, den jeder kennt: Es ist, wie es ist. Aber warum eigentlich? Viel mehr ist es doch der Zufall, der die Welt und das Leben darauf bestimmt.

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Künstlerin mit Rose: Sigrid Kindel in ihrer Ausstellung.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Allein die Evolution fußt auf einer Kette von Glücksfällen, und die Entwicklung jedes einzelnen Menschen wirkt ebenso unvorhersehbar: „Was wäre, wenn ich einen Tag später geboren wäre? Sähe ich dann genauso aus?“ Die Künstlerin Sigrid Kindel zitiert ihre Tochter, die sich schon als kleines Kind mit der Frage beschäftigt habe. Ein Satz aus der persönlichen Geschichte der Künstlerin. Und genau darum geht es in ihren Bildern – um Zufall und persönliche Erfahrung. Kindel selbst bringt es auf den Punkt: „Was mich eigentlich interessiert, ist das Leben.“

Ihre Ausstellung „Bild Räume/Bild Träume“ ist zur Zeit im Weißen Saal des Künstlerhauses zu sehen. Kindel kam in den 70er Jahren aus Wuppertal nach Göttingen. Wenn sie von früher erzählt, dann schwärmt sie vor allem von dem Humor der Menschen in ihrer alten Heimat. Nie habe sie den verloren, betont sie.

So mancher Witz lässt sich auch in ihren Bildern entdecken. Etwa wenn am unteren Bildrand ein kleiner Zettel mit einem Text klebt: „Sie gehen Ihren Weg, ohne sich beirren zu lassen.“ Das klingt fast nach einem Befehl. Und tatsächlich lässt Kindel eine kleine angeleimte Menschenfigur aus Plastik über die Leinwand laufen. Unbeirrbar auf ihrem Weg, denn sie hat schon fast den Bildrand erreicht.

„Das sind auch Alltagserfahrungen“

Der Zettel stammt aus einem Glückskeks, erzählt Kindel. Sie zeigt auf ihre Bilder: „Das sind auch Alltagserfahrungen.“ Immer wieder finden sich aufgeklebte Materialien. Figuren, die man eigentlich von Modellbahnanlagen kennt, Textilien, oder ein Stück einer alten Salami-Haut.

Dinge, die sie zufällig gefunden habe, auf Flohmärkten oder auf der Straße, wo sie so manchen Glassplitter sammelte, erzählt die Künstlerin. So entstehen Geschichten, aber sie sind verschlüsselt. „Ich finde es auch gut für den Zuschauer, dass er guckt und denkt: Ach so, das ist ja gar nicht … Und dann ist er in dem Bild drin“, sagt die Künstlerin.

So offenbart sich keine Arbeit der Ausstellung auf den ersten Blick. Formen müssen identifiziert werden, unterschiedliche Materialien in Zusammenhang gebracht, Strukturen erkannt werden.

Kindels Kunst fordert das Nachdenken. Aber auch das Nachfühlen: „Ich möchte eigentlich, dass die Zuschauer in eine Atmosphäre eintauchen, die nur die Malerei schaffen kann.“ Was der Betrachter dabei in ihren Bildern erkennt, betont Kindel, sei von den Erfahrungen jedes einzelnen abhängig. Und sicherlich auch vom Zufall.

Von Daniela Lottmann

Die Ausstellung „Bild Räume/ Bild Träume“ ist bis Sonntag, 16. März, zu sehen. Das Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, ist dienstags bis freitags von 16 Uhr bis 18 Uhr, und sonnabends und sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.
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